Ärzte Zeitung online, 10.09.2011

"Dass die Hyposensibilisierung gut wirkt, wissen viel zu wenige Allergiker"

WIESBADEN (dpa). Die Hyposensibilisierung wird Experten zufolge noch viel zu wenig von Allergikern genutzt. 90 Prozent aller Betroffenen könnten wirksam mit einer Immuntherapie behandelt werden, es sind aber tatsächlich nur 10 Prozent.

"Viele Patienten wissen nicht, dass ihnen eine Hyposensibilisierung helfen würde", sagte der Präsident des 6. Deutschen Allergiekongresses, Professor Ludger Klimek: "Zum anderen werden Allergien von der Politik als Bagatellen dargestellt und selbst kostengünstige Medikamente nicht mehr bezahlt."

Im Jahr 1911 haben die Briten Leonard Noon und John Freeman zum ersten Mal die Hyposensibilisierung in einem Fachjournal beschrieben. Bei dem Kongress in Wiesbaden ziehen Fachleute noch bis Samstag Bilanz. "Die Immuntherapie ist hundert Jahre alt, aber bis heute die wichtigste Therapieform in der Allergologie", betont Klimek. "Sie ist - zumindest in ihrer heutigen Form - bestenfalls in der Lage, die Krankheit zu heilen."

Durch eine spezifische Immuntherapie soll der Körper lernen, nicht mehr überschießend auf Allergene zu reagieren. In den vergangenen 100 Jahren sei die grundlegende Idee - aus den Allergenen eine Therapie zu machen - "immer sicherer, immer wirksamer und immer weniger aufwendig" geworden, bilanzierte Klimek. Früher mussten die Allergene aufwendig aus der Natur gewonnen werden. "Da wurden zum Beispiel Fische zerkleinert und getrocknet oder Pollen gesammelt". Noch vor wenigen Jahren bekamen Patienten "über Monate hinweg wöchentlich eine Spritze", so der Experte. Besonders gut wirke die Therapie bei Heuschnupfen sowie bei Allergien gegen Insektengifte, weniger gut bei Nahrungsmittelallergien.

Ein neues Forschungsgebiet sei, "Patienten prophylaktisch zu hyposensibilisieren, bevor überhaupt eine Allergie auftritt". Das käme vor allem für Kinder mit hohem Risiko infrage, etwa wenn beide Eltern unter schweren Allergien leiden, erläuterte Klimek.

Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes sind vor allem während des Beginns einer Hyposensibilisierung unerwünschte Reaktionen wie Juckreiz und Schwellungen möglich. Durch Vermeidung von Risikofaktoren und Nachbeobachtung des Patienten könne das Risiko solcher Nebenwirkungen aber sehr gering gehalten werden.

www.allergie-kongress.de

Topics
Schlagworte
Allergien (1203)
Krankheiten
Allergien (3269)
Personen
Ludger Klimek (37)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Viele falsche Vorstellungen, was Krebs verursacht

Stress, Handystrahlen und Trinken aus Plastikflaschen lösen Krebs aus, denken viele fälschlicherweise. Die wahren Risikofaktoren kennt nur jeder Zweite, so eine Studie. mehr »

Höherer Zuschlag für Terminvermittlung

Das Bundeskabinett will sich heute mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz beschäftigen. Am Entwurf wurde vorab noch gebastelt – er enthält wichtige Änderungen. mehr »

Die übersehene Speiseröhren-Entzündung

Lange glaubte man, die eosinophile Ösophagitis komme nur selten vor. Inzwischen zeigt sich: Es gibt immer mehr Patienten mit dieser chronischen Entzündung der Speiseröhre. mehr »