Ärzte Zeitung, 05.06.2012

Auf der Alm, da gibt's kein Asthma

Kinder auf einem Bauernhof sind besser gegen manche Allergien geschützt. Das zeigt eine Studie in den Alpen. Die Forscher haben auch untersucht, worauf der Effekt bei Asthma, Heuschnupfen und Co. zurückzuführen ist.

Auf der Alm, da gibt's kein Asthma

Der regelmäßige Kontakt mit Kühen senkt das Risiko, an bestimmten Allergien zu erkranken.

© mica / fotolia.com

MÜNCHEN (rb). Ein Leben auf dem Bauernhof hat sich in Studien wiederholt als Schutz gegen Asthma und Atopie erwiesen. Welchen Umständen dies genau zu verdanken ist, bleibt aber unklar.

Allergologen der GABRIEL-Studiengruppe haben nun in den Alpen nach Erklärungen gesucht.

Die Wissenschaftler begaben sich für ihre Suche in die ländlich-bergigen Regionen Süddeutschlands, nach Tirol und in die Schweiz.

Knapp 80.000 Kinder untersucht

In einer ersten Phase der Studie befragten sie dort 79.888 Kinder im schulpflichtigen Alter per Fragebogen nach ihren Erkrankungen und Lebensumständen.

Dazu kamen in Phase zwei Bluttests auf spezifische IgE-Antikörper, etwa gegen Hausstaubmilben, Katzen, verschiedene Gräser, Eiweiß, Kuhmilch, Fisch, Weizen, Erdnüsse und Soja, berichten die Forscher um Professor Erika von Mutius vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der Universität München.

Kinder, die auf einem Bauernhof lebten, hatten ein signifikant niedrigeres Asthmarisiko als solche Kinder, die nicht auf einem Hof herumliefen (angepasste Odds Ratio [aOR] 0,68). Reduziert waren auch die Risiken für Heuschnupfen (aOR 0,43), atopische Dermatitis (aOR 0,80) und atopische Sensibilisierung (aOR 0,54).

Als Faktoren, die vor Asthma schützten, ermittelten die Forscher den Umgang mit Kühen, den Kontakt mit Stroh und das Trinken von frischer Kuhmilch. Vor atopischer Dermatitis bewahrten hingegen der Aufenthalt in Futterscheunen und der Kontakt mit Stallmist.

Positiver Effekt durch Kühe, aber nicht durch Stroh

Als schwieriger erwies sich die Datenlage für die allergische Rhinitis. Kühe und Kuhmilch zeigten zwar einen Effekt, doch der Kontakt mit Stroh hatte keine signifikanten Folgen. Nach Einschluss der relevanten Parameter stieg die aOR nur von 0,43 auf 0,68.

Im Gegensatz dazu kletterte die aOR beim Asthma auf 0,89. Das zeigt, dass die ermittelten Faktoren beim Asthma praktisch für den gesamten protektiven Bauernhofeffekt verantwortlich sind, nicht aber beim Heuschnupfen.

Ähnlich wie bei der allergischen Rhinitis verhielt es sich mit der atopischen Sensibilisierung, wo sich Stroh und Milchtrinken positiv auswirkten, nach Einschluss der Faktoren aber nur ein aOR-Anstieg von 0,54 auf 0,74 festzustellen war.

Auch diese Studie der GABRIEL-Gruppe bestätigt: Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, sind besser vor Asthma, Heuschnupfen und Atopie geschützt. Zumindest gilt dies, wenn es auf dem Hof Kühe gibt und zugleich Ackerbau betrieben wird.

Doch während sich die Ursachen des Bauernhofeffekts bei Asthma gut identifizieren lassen, fehlt bei Heuschnupfen und Atopie nach wie vor ein Glied in der Erklärungskette.

Weitere Informationen zu GABRIEL unter: www.gabriel.web.med.uni- muenchen.de

Quelle: www.springermedizin.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Freunde hinterlassen Spuren im Gehirn – Rauchen auch

Sport, Alkohol, soziale Kontakte – die Lebensführung spiegelt sich im Gehirn wider, so eine Studie. Und: Raucherhirne laufen auf Hochtouren. Doch das ist nicht positiv gemeint... mehr »

§219a – Eine Reform und ihr Preis

Am Ende ging es schnell: Nach dem Beschluss im Bundestag, dürfen Ärzte künftig informieren, dass sie Abtreibungen anbieten. Glücklich ist mit dem Kompromiss niemand. Auch nicht mit der Studie zu den Folgen einer Abtreibung. mehr »

GBA warnt Spahn vor „Systembruch“

18.30 hDer Versuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bewertungsverfahren im Gemeinsamen Bundesausschuss zu umgehen, stößt auf massive Gegenwehr – nicht nur im GBA. mehr »