Ärzte Zeitung, 12.02.2013
 

Heuschnupfen

Verquollene Augen stören am meisten

Es ist gar nicht so sehr das Geniese und Geschniefe, was Allergikern zu schaffen macht. Am lästigsten sind die verquollenen Augen - aber dagegen wird kaum etwas unternommen.

MONTPELLIER. Französische Forscher haben 980 Patienten, die wegen ihrer allergischen Rhinitis eine Allgemeinarztpraxis aufgesucht hatten, nach ihren Beschwerden und deren Einfluss auf die Lebensqualität befragt (Int Arch Allergy Immunol 2013; 160: 393-400).

Folgende Symptome wurden mit ihrem Schweregrad erfasst: Niesen, eine laufende, juckende oder verstopfte Nase, Augensymptome und juckende Ohren.

Wer sich woran störte, wurde mithilfe eines speziell für Patienten mit Rhinokonjunktivitis entwickelten Fragebogens abgefragt, dem RQLQ (Rhinoconjunctivitis Quality of Life Questionnaire).

Niesen hat keinen Einfluss auf Lebensqualität

Bindehautentzündung und geschwollene Lider waren eindeutig am lästigsten. Wer deswegen buchstäblich kaum mehr aus den Augen schauen konnte, fühlte sich dreimal mehr in der Lebensqualität beeinträchtigt als Patienten ohne Augensymptome.

Was als unangenehm empfunden wurde, war auch die körperliche Schlappheit. Eine verstopfte Nase hatte dagegen überraschend wenig Einfluss auf die Lebensqualität, die laufende Nase und das Niesen gar keinen.

Von allen Symptomen war die Rhinorrhö am häufigsten (89 Prozent), gefolgt von Niesen und verstopfter Nase (jeweils 82 Prozent), nasalem Juckreiz und Augensymptomen (jeweils 68 Prozent).

Über 60 Prozent der Patienten litten unter mäßigen bis schweren Symptomen. Dabei erhielten mehr als 70 Prozent antiallergische Medikamente.

Mehr als die Hälfte aller Patienten hatte ein Antihistaminikum verschrieben bekommen, ein gutes Drittel Kortison. Ersteres wurde überwiegend oral, Letzteres überwiegend in die Nase verabreicht.

Ein knappes Fünftel nahm abschwellende Mittel, vor allem Nasentropfen. Augentropfen mit einem Antihistaminikum hatten nur 15 Prozent der Patienten erhalten. Das Schlusslicht bildete Cromoglycinsäure (zum Großteil als Augenpräparat) mit drei Prozent.

Therapie offenbar ohne Auswirkungen

Was die französischen Forscher besonders erstaunte: Die Therapie hatte offenbar kaum Auswirkungen auf die Schwere der Symptome und das Wohlbefinden der Patienten; das zeigte ein Test mit einer visuellen Analogskala (VAS).

Unbehandelte Patienten gaben auf der von 0 mm (gar nicht störend) bis 100 mm (unerträglich) reichenden Skala eine Symptomstärke von rund 61 an, behandelte Patienten ebenso.

Die systemische Therapie mit Antihistaminika, so die HNO-Experten um Professor Philippe Jean Bousquet von der Universitätsklinik in Montpellier, führt vor allem dazu, dass sich die nasalen Symptome bessern; an den Augen ist der Erfolg dagegen oft bescheiden.

Generell gebe es bei der Therapie von Augensymptomen "erheblichen Nachholbedarf", resümieren die Autoren. Das gelte für den gesamten Komplex der schweren chronischen Erkrankungen der oberen Atemwege. (eo)

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