Ärzte Zeitung online, 06.03.2014

Allergien

Nationale Strategie gegen Ambrosie gefordert

Die Beifuß-Ambrosie verlängert die Leidenszeit vieler Pollen-Allergiker in Deutschland. Der hochallergene Neophyt fühlt sich in Europa besonders wohl - auch weil es an natürlichen Feinden mangelt.

FRANKFURT AM MAIN. Schlechte Nachricht für Allergiker: Die ursprünglich in Amerika heimische Beifuß-Ambrosie fühlt sich in Europa besonders wohl und wird sich nach Erwartungen von Wissenschaftlern noch stärker ausbreiten als bisher erwartet.

Die europäischen Populationen hätten sich weiterentwickelt und seien fitter geworden, berichten Wissenschaftler des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und der Goethe-Universität Frankfurt (Biological Invasions 2014; online 11. Februar).

Die Forscher fordern eine nationale Strategie zur Bekämpfung der hochallergenen Pflanze.

Pflanze profitiert vom Klimawandel

Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), auch Beifußblättriges Traubenkraut oder Ambrosia genannt, profitiere vom Klimawandel. "Sie hat sich vermutlich aber auch evolutionär verändert", sagte Oliver Tackenberg von der Goethe-Universität Frankfurt.

Die europäischen Samen seien nicht nur deutlich größer als die der amerikanischen Pflanzen, auch ihre Keimrate sei mit 92 Prozent fast doppelt so hoch. Europäische Jungpflanzen vertragen nach den Untersuchungen der Wissenschaftler außerdem mehr Frost.

Eine Erklärung könne sein, dass Krankheitserreger oder natürliche Feinde hierzulande fehlten.

"Damit ist zum Beispiel die Produktion chemischer Abwehrstoffe nicht mehr notwendig. Die freiwerdenden Ressourcen können in die Fortpflanzung gesteckt werden und in Form größerer Samen zu schnellerem Wachstum und einer erhöhten Konkurrenzkraft führen", vermutet Tackenberg.

Pflanze breitet sich schnell aus

Während das unscheinbare Kraut in Deutschland noch vergleichsweise selten vorkommt, ist es im Südosten Europas schon fester Bestandteil der Vegetation. "Wir müssen so schnell wie möglich aktiv werden", fordert BiK-F-Forscherin Marion Leiblein-Wild, Mitautorin der Studie.

Nötig sei eine nationale Strategie wie in der Schweiz, wo jeder Bürger gesetzlich verpflichtet sei, Ambrosia-Vorkommen zu melden. In Deutschland gehe bisher jedes Bundesland anders mit dem Thema um. (dpa)

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