Ärzte Zeitung online, 26.05.2015
 

Allergien

Ambrosia breitet sich in Europa aus

Bedrohung durch Ambrosia: Die Pollenlast in der Luft nimmt zu - wie stark, hängt von Faktoren wie Klimawandel und Autoverkehr ab.

GIF SUR YVETTE. Die starke Allergien auslösende Pflanze Ambrosia breitet sich in Europa rasant aus: Im Jahr 2050 könnte die Pollenkonzentration in Europa viermal so hoch sein wie derzeit, haben französische Forscher in einer Computersimulation berechnet.

Wie schnell sich Ambrosia artemisiifolia ausbreitet, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: dem Klimawandel und der vom Menschen begünstigten Ausbreitung der Samen.

Je nach Szenario könnte die Pollenbelastung in 35 Jahren doppelt so hoch sein - oder auch zwölfmal so stark wie heute, schreibt das Team um Lynda Hamaouli-Laguel vom Labor für Klima- und Umweltwissenschaften im französischen Gif sur Yvette im Fachmagazin "Nature Climate Change".

Aktuell sind in Europa der Westen Ungarns, Norditalien und der Südosten Frankreichs am stärksten belastet.

Folge vor allem des Klimawandels

In Deutschland, schreiben die Autoren, "wird die Konzentration stark zunehmen und so hoch werden wie heute in Südfrankreich".

Die Verteilung des Samens habe entscheidenden Einfluss auf die künftige Pollenbelastung. "Aber auch der Klimawandel wird die wachsende Pollenlast vorantreiben".

Der stärkere Faktor ist nach Einschätzung der Forscher die Temperatur: Der Klimawandel trage zu zwei Drittel, die Samen-Verbreitung zu einem Drittel zur künftigen Pollenlast bei.

Deutsche Wissenschaftler plädieren seit langem dafür, die auch Beifußblättriges Traubenkraut oder Beifuß-Ambrosie genannte Pflanze stärker zu bekämpfen. Sie fordern ein Frühwarnsystem, eine Meldepflicht und staatliche Maßnahmen zur Eindämmung wie in der Schweiz.

Ambrosia breitet sich nicht nur mit dem Wind aus, sondern wird vermutlich auch über Autoreifen weitertransportiert. Dafür spricht, dass die Pflanze vorwiegend an Straßenrändern wächst und sich entlang von Autobahnen ausbreitet.

Betroffen ist vor allem der Raum Berlin

Ihre Pollen sind starke Allergene, sie können zu Heuschnupfen und Asthma führen. Weil die Pflanze spät im Jahr blüht, verlängert sie die Leidenszeit von Allergikern in den Herbst hinein.

Die Berührung kann Juckreiz und Hautrötungen auslösen. Besonders stark betroffen ist laut der Technischen Universität München derzeit der Raum Berlin.

In Europa fühlt sich die Pflanze, die vor mehr als 150 Jahren aus Nordamerika eingeschleppt wurde, besonders wohl.

Wissenschaftler des Frankfurter Biodiversitäts- und Klima-Forschungszentrums hatten 2014 festgestellt, die Samen seien hier größer und die Keimrate höher als im Herkunftsland. Natürliche Feinde und Krankheiten fehlten. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tausende HPV-Tumoren pro Jahr sind vermeidbar

Viele Krebserkrankungen in Deutschland ließen sich durch einen HPV-Schutz vermeiden, so RKI-Berechnungen. Das Institut rät zum Impfen - das könnte auch bei Jungen sinnvoll sein. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »