Ärzte Zeitung online, 31.07.2019

Zusammenhang entdeckt

Mehr Allergien nach Therapie mit Säureblockern?

Forscher melden einen Zusammenhang zwischen der Verschreibung von Magensäureblockern und Arzneien gegen Allergien.

145a0503_8462161-A.jpg

Mann mit Sodbrennen: Säureblocker stehen im Verdacht, Allergien auszulösen.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

WIEN. Die Einnahme von Magensäureblockern könnte mit einem erhöhten Risiko für Allergien verknüpft sein, diskutieren österreichische Forscher nach Auswertung von Krankenkassen-Daten (Nat Commun 2019; online 30. Juli). Patienten, denen Medikamente gegen Magensäure verschrieben wurden, bekamen demnach in den Jahren darauf häufiger auch Medikamente gegen Allergien.

Die Forscher um Dr. Galateja Jordakieva von der Uni Wien haben Daten österreichischer Krankenversicherungen ausgewertet. Sie boten Einblick in die Behandlung von über 8,2 Millionen Patienten, was nahezu der gesamten österreichischen Bevölkerung entspricht. Die Wissenschaftler prüften, wie oft die Menschen zwischen 2009 und 2013 bestimmte Medikamente verschrieben bekamen.

Die Wahrscheinlichkeit, ein Allergiemedikament zu benötigen, war bei Patienten, die schon einen Magensäureblocker verordnet bekommen hatten, zweimal so hoch wie bei anderen Patienten. Besonders stark waren demnach Frauen von dem erhöhten Allergierisiko betroffen, zudem auch ältere Menschen, berichtet das Team.

Was könnte dahinter stecken?

Dabei machte es keinen Unterschied, welches Medikament verschrieben wurde. Da Magensäureblocker bekanntlich auf unterschiedliche Weise wirken, vermuten die Forscher, dass ihr Effekt – der veränderte Säurewert (pH) im Magen – für die Allergien verantwortlich ist. Proteine, die über die Nahrung aufgenommen werden, könnten demnach im Magen nicht mehr so gut zerlegt werden, Allergene können unverarbeitet in den Darm vordringen. Es könnte auch sein, so die Forscher, dass die Medikamente Signalwege aktivieren, über die Allergien ausgelöst werden.

In einer Mitteilung der Medizinischen Universität Wien betonen die Studienautoren, dass Magensäureblocker nicht länger als nötig eingesetzt werden sollten. (dpa/eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[01.08.2019, 08:58:27]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Naiver Empirismus basierend auf retrospektiv erhobenen Daten!
Die Untersuchung "Country-wide medical records infer increased allergy risk of gastric acid inhibition" von G. Jordakieva et al. https://www.nature.com/articles/s41467-019-10914-6
ist wissenschafts- und erkenntnistheoretisch völlig wertlos.

Bereits im "Abstract" wird erkennbar, dass lediglich Datensätze zusammen gerührt wurden (speziell: Verordnungen der PPI-Gruppen, Antazida und Antiallergika). Kein/e einzige/r der Patientinnen und Patienten wurde untersucht oder im Verlauf beobachtet.

Es wurde nicht mal erfasst, ob Verordnungen rein präventiv, ohne akute Krankheitsentitäten, oder kurativ zur Heilung und Linderung erfolgten. Genausogut hätte man auch den Gebrauch von Einmaltaschentüchern vs. Stofftaschentüchern oder die Nutzung von Plastiktüten in Beziehung zu Protonenpumpenhemmern (PPI), Antazida und Antiallergika analysieren können.

"Country-wide medical records infer increased allergy risk of gastric acid inhibition | Article | OPEN | Published: 30 July 2019
Abstract - Gastric acid suppression promotes allergy in mechanistic animal experiments and observational human studies, but whether gastric acid inhibitors increase allergy incidence at a population level remains uncharacterized. Here we aim to assess the use of anti-allergic medication following prescription of gastric acid inhibitors. We analyze data from health insurance records covering 97% of Austrian population between 2009 and 2013 on prescriptions of gastric acid inhibitors, anti-allergic drugs, or other commonly prescribed (lipid-modifying and antihypertensive) drugs as controls. Here we show that rate ratios for anti-allergic following gastric acid-inhibiting drug prescriptions are 1.96 (95%CI:1.95–1.97) and 3.07 (95%-CI:2.89–3.27) in an overall and regional Austrian dataset. These findings are more prominent in women and occur for all assessed gastric acid-inhibiting substances. Rate ratios increase from 1.47 (95%CI:1.45–1.49) in subjects <20 years, to 5.20 (95%-CI:5.15–5.25) in > 60 year olds. We report an epidemiologic relationship between gastric acid-suppression and development of allergic symptoms."

Die vorgelegte Studie ist m.E. epidemiologisches Kaffeesatzlesen. Viele unserer Patientinnen und Patienten, die wegen einer PPI-Verordnun extra eine Arztpraxis aufsuchen, kommen koinzident und nicht kausal auch zur Verordnung von Antiallergika. "Herr Doktor, wenn ich schon mal da bin könnten Sie mir neben Pantop... auch Fexofen... verschreiben, die Pollensaison beginnt doch gerade erst".

Ich bleibe dabei: Naiver Empirismus basierend auf retrospektiv erhobenen Daten ohne prospektive Studien verwechselt Koinzidenz mit Kausalität.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf dem Weg zum Bluttest

Demenz-Diagnose ganz einfach per Biomarker: Serumtests auf Beta-Amyloid und Tau könnten in naher Zukunft recht genau anzeigen, wer gerade in eine Demenz abgleitet. mehr »

Herzschutz ist auch Schutz vor Demenz

Wer mit 50 Jahren nicht raucht, nicht dick ist, sich gesund ernährt, Sport treibt und normale Blutzucker-, Blutdruck- und Cholesterinwerte hat, der kann seine Hirnalterung um mehrere Jahre verzögern. mehr »

Das Oktoberfest im Gesundheits-Check

Laute Menschenmassen, Hendl und sehr, sehr viel Bier: Kann das noch gesund sein? Ein Blick auf das Oktoberfest aus Gesundheitssicht. mehr »