Ärzte Zeitung, 14.04.2004
 

Bei COPD-Kranken liegt motorische Koordination oft im argen

Patienten neigen aufgrund ihrer Kurzatmigkeit zu körperlicher Schonung / Regelmäßiges Körpertraining in Lungensportgruppen empfohlen

BAD REICHENHALL (wst). Die wichtigste prognostisch bedeutsame Maßnahme für Patienten mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist die Aufgabe des Rauchens. An zweiter Stelle steht die Bewegungstherapie.

Darauf hat Professor Wolfgang Petro von der Fachklinik Bad Reichenhall in Bad Reichenhall hingewiesen. Gerade COPD-Patienten neigen aufgrund ihrer Kurzatmigkeit zu körperlichen Schonung, was aber zwangsläufig zu einer zunehmenden Dekonditionierung des Herz-Kreislauf-Systems und der Muskulatur führt. Das Problem: Immer niedrigere Belastungsstufen erfordern eine erhöhte Atemarbeit, und die Patienten werden ständig leistungsschwächer.

Diesen Teufelskreis gilt es durch ein individuell angepaßtes Ausdauer-, Kraft-, und Koordinationstraining zu durchbrechen, so Petro bei einer vom Unternehmen Schwarz Pharma unterstützten Veranstaltung. Selbst für bettlägrige COPD-Patienten sei deshalb an seiner Klinik eine konsequente regelmäßige Bewegungstherapie ein Muß.

Bei lange Zeit körperlich inaktiven Patienten sei vor allem die motorische Koordination mangelhaft. Sie müsse deshalb vorrangig trainiert werden, sagte die Bad Reichenhaller Bewegungstherapeutin Amöne Leithäuser. Es sei erstaunlich zu sehen, wie Menschen, die anfangs kaum auf einem Bein stehen könnten, nach einigen Trainingswochen einbeinig auf einem Trampolin wippten, einen Ball jonglierten und dabei auch noch regelmäßig und tief atmeten.

Die drei Wochen stationäre Rehabilitation, die für Lungenkranke von den gesetzlichen Krankenkassen meist nur noch bewilligt werden, sind nach Ansicht von Petro zu kurz, um die Möglichkeiten der körperlichen Trainingstherapie auch nur annähernd auszuschöpfen.

Bei der stationären Rehabilitation könne nur noch der Grundstein für ein ambulantes Körpertraining gelegt werden. Den Patienten müßten dann aber in ihrer Heimatregion Strukturen angeboten werden wie Lungensportgruppen, die zur Fortsetzung des in der Rehabilitation begonnenen körperlichen Trainings motivieren.

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