Ärzte Zeitung, 29.06.2005

Interferon soll Asthmatiker vor Infekt schützen

Exazerbationen bei Asthma sind meist durch Virusinfekte bedingt / Inhalationstherapie soll Verlauf abschwächen

MÜNCHEN (wst). In bronchialen Epithelzellen von Asthmatikern vermehren sich Viren leichter als in entsprechenden Zellen gesunder Menschen. Deshalb erkranken Asthmatiker öfter und schwerer an Atemwegsinfektionen. Durch diese Infektionen verstärkt sich dann die Asthma-Symptomatik. Möglicherweise kann dem schon bald mit inhalierbarem Interferon Einhalt geboten werden.

Diese auf seinen Forschungen beruhende Perspektive hat Professor Stephen T. Holgate von der Universität Southampton auf einer Pressekonferenz zum Allergie-Kongreß in München geboten. Der Wissenschaftler aus Großbritannien hat mit seinen Kollegen in vitro kultivierte Bronchialepithelzellen von Asthmatikern und von gesunden Kontrollpersonen mit dem Rhinovirus 16 (RV 16) infiziert.

Dabei stellte er fest, daß sich die Viren in den Bronchialepithelzellen der Asthmatiker wesentlich rascher und massiver vermehrten als in den Zellen der Gesunden. Die Expression viraler RNS war in den Zellkulturen der Asthmatiker um den Faktor 50 erhöht.

Wie die Forscher weiter herausfanden, war es vor allem die verzögerte Apoptose infizierter Asthmatiker-Zellen, die den Erkältungsviren die schnelle und massive Vermehrung erleichterte. Und die verzögerte Apoptose war wiederum durch eine verminderte Produktion von Interferon-beta in den Epithelzellen der Asthmatiker bedingt.

In einer zweiten Versuchsreihe gaben die Forscher den Zellkulturen der Asthmatiker Interferon beta hinzu, bevor sie sie mit RV 16 infizierten. In den so veränderten Kulturen stieg die Apoptoserate der Zellen deutlich und die Virusreplikation reduzierte sich auf das in den Kulturen von Gesunden beobachtete Niveau.

In einer klinischen Studie soll nun geprüft werden, inwieweit eine Inhalationstherapie mit Interferon-beta die Infektionsrate von Asthmatikern mit Erkältungsviren reduziert oder den Infektionsverlauf abschwächen oder abkürzen kann.

Ein Erfolg wäre von erheblicher Bedeutung, zumal bekanntlich 85 Prozent aller Exazerbationen eines Asthma bronchiale durch Virusinfekte der Atemwege bedingt sind, betonte Holgate.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Offenbar liegt‘s am Bauchspeck

Wer genetisch bedingt schon als Kind zu Übergewicht neigt, hat auch ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes. mehr »

Jahrhundert-Chance oder Anmaßung?

Darf der Mensch alles, was er kann? Wieder einmal stellt sich diese Frage, seit in den USA erfolgreich Embryonen-DNA verändert wurde. Zwei Redakteure der "Ärzte Zeitung" diskutieren das Für und Wider. mehr »

Ärzte in Barcelona haben schnell reagiert

Ärzte – vor allem Chirurgen – und Pflegefachkräfte in Barcelona und Tarragona standen nach den Terroranschlägen sofort parat. Zwölf Menschen kämpfen jedoch noch immer um ihr Leben. mehr »