Ärzte Zeitung, 12.10.2005

Bei Infektasthma ist Montelukast gute Option

Reduktion der Beschwerden und des Steroidbedarfs

BREMEN (grue). Kinder mit Infektasthma haben deutlich erhöhte Leukotrien-Werte im Nasensekret und sprechen daher gut auf eine Therapie mit dem Leukotrien-Antagonisten Montelukast an.

Dr. Andrea von Berg: Oft wird unterschätzt, wie belastend ein Infektasthma ist. Foto: grue

Inhalative Steroide haben dagegen auf die akuten, durch Viren hervorgerufenen Atemwegsbeschwerden keinen nennenswerten Effekt. Das hat Dr. Andrea von Berg vom Marien-Hospital-Wesel bei einer Veranstaltung von MSD in Bremen betont.

Inhalative Steroide seien als prophylaktische Dauertherapie bei schwerem Infektasthma und hochdosiert als Anfallstherapie hilfreich. Gegen die länger anhaltenden und durch die Virusinfektion ausgelösten Beschwerden wie Husten, Giemen und Atemnot seien Steroide aber kaum wirksam, so von Berg.

Mit der oralen Anwendung von Montelukast (Singulair®) seien dagegen in mehreren Studien gute Ergebnisse erzielt worden. So besserten sich in einer klinischen Studie bei 600 Kleinkindern mit Infektasthma mit 4 mg Montelukast täglich die häufigsten Asthmabeschwerden signifikant im Vergleich zu Kindern, die Placebo erhielten, und die körperliche Belastbarkeit steigerte sich um 40 Prozent.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam die auf ein Jahr angelegte PREVIA-Studie (Montelukast and the Prevention of Viral-Induced Asthma): Montelukast 4 mg reduzierte bei Vorschulkindern mit episodischem Infektasthma die Zahl der Asthma-Exazerbationen verglichen mit Placebo um 32 Prozent.

Deshalb habe es mit Montelukast auch signifikant mehr Tage ganz ohne Asthmasymptome gegeben, sagte von Berg. Zudem war bei den Kindern, die den Leukotrien-Antagonisten bekommen hatten, der Bedarf an inhalativen Steroiden um 40 Prozent geringer als in der Kontrollgruppe. "Montelukast lindert sehr effektiv die obstruktiven Atemwegbeschwerden, die in der Regel schnell und bei jedem Infekt erneut auftreten", so von Berg.

Häufig werde unterschätzt, wie belastend ein Infektasthma ist. "Zwar sind die Kinder zwischendurch fast beschwerdefrei, aber während der Infektphasen husten sie zum Beispiel nachts sehr stark". Dieses dem Keuchhusten ähnliche "husten bis zum erbrechen" sei oft sogar das einzige Symptom bei Infektasthma, sagte die Kinderärztin.

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