Ärzte Zeitung, 06.12.2006

Ohne Spirometrie bleibt die Raucherlunge häufig unerkannt

Anamnese und körperliche Untersuchung reichen nicht aus / Neue Studiendaten

LIVERPOOL (ikr). Für die Diagnostik einer chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) reichen Anamnese und körperliche Untersuchung nicht aus. Leitliniengerecht sollte auch die Spirometrie mit einbezogen werden, da so viele Fehldiagnosen vermieden werden. In Deutschland werden die Chancen des Tests bisher noch nicht optimal genutzt.

Lungenfunktionsprüfung bei einem Patienten: Zur Abklärung einer Raucherlunge ist die Spirometrie unverzichtbar. Foto: klaro

Für nahezu 77 Prozent der niedergelassenen Kollegen gilt die Spirometrie als Diagnosestandard bei COPD, und sie ist auch in 90 Prozent der Praxen verfügbar. Aber nur 65 Prozent der Kollegen wenden die korrekten Kriterien für die COPD-Diagnostik an. Das hat die Befragung von fast 500 niedergelassenen Allgemeinmedizinern, praktischen Ärzten und Internisten in Deutschland ergeben (DMW 131, 2006, 1203).

Wie wichtig die Spirometrie im Praxisalltag ist, belegen neue Studiendaten. Ein Team um Dr. Paul Walker aus Liverpool hat Diagnostik und Therapie bei 217 Patienten - meist über 40jährigen Rauchern oder Exrauchern - mit Atemwegssymptomen vor und nach der Spirometrie analysiert (ERJ 28, 2006, 945). Bei allen Patienten wurde mit Spirometrie eine meist irreversible Atemwegsobstruktion festgestellt: Die Einsekundenkapazität (FEV1) lag unter 80 Prozent des Sollwertes.

Bei 139 der insgesamt 217 Patienten wurde eine COPD durch Spirometrie bestätigt oder neu diagnostiziert. 63 Patienten (29 Prozent) waren bereits vor dem Test als COPD-Kranke eingestuft. Jedoch lautete bei 15 von ihnen die Diagnose nach der Spirometrie "Asthma".

Die 91 neu diagnostizierten COPD-Kranken galten vor dem Test als Asthmatiker oder hatten keinen klaren Befund. 65 Patienten waren vor der Spirometrie als Asthmatiker eingestuft, davon hatte etwa die Hälfte in Wirklichkeit eine COPD. Bei 37 Patienten wurde mit Spirometrie erstmals ein Asthma diagnostiziert.

Die Spirometrie können Hausärzte bei Kassenpatienten über die EBM-Ziffer 03330 (Spirographie) abrechnen. Sie ist aber gegen den chronisch internistischen Komplex 03210 ausgeschlossen.

Infos zu Spirometriekursen gibt es im Internet unter: www.lufu.de

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Rückenwind für die Spirometrie

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