Ärzte Zeitung, 21.04.2010

Asthma: Inhalatives Kortikoid nicht zu knapp dosieren!

Ob Asthma bei einem Patienten gut kontrolliert ist, lässt sich leicht anhand von sechs Kriterien klären. Hierbei hilft eine Tabelle in der aktualisierten nationalen Versorgungsleitlinie.

Asthma: Inhalatives Kortikoid nicht zu knapp dosieren!

WIESBADEN (ikr). Als "kontrolliert" gilt Asthma nach der Leitlinie, wenn Patienten tagsüber höchstens zweimal pro Woche Symtome haben, nicht eingeschränkt sind in ihren Aktivitäten, keine nächtlichen Symptome haben, höchstens zweimal pro Woche rasch wirksame Beta-2-Mimetika benötigen, eine normale Lungenfunktion und keine Exazerbationen haben. Ist die Krankheit mit einer niedrigen Dosis eines inhalativen Kortikoids (ICS; etwa bis zu 400 μg Budesonid oder bis zu 500 μg Beclometason) nicht ausreichend kontrolliert, empfiehlt die NV-Leitlinie zur Intensivierung der Therapie bei Erwachsenen bevorzugt die Kombination von ICS mit lang-wirksamen Beta-2-Mimetika (LABA). Auch bei der Kombination sei auf eine ausreichend hohe ICS-Dosierung zu achten, sagte Privatdozent Martin Kohlhäufl aus Gerlingen beim Praxis Update 2010. 

So habe eine Studie ergeben, dass Formoterol zusätzlich zu einer niedrigen Budesonid-Dosis (200μg / d) die Zeit gut kontrollierten Asthmas um 19 Prozent steigerte, eine Vervierfachung der ICS-Dosis (800 μg; mittlere Dosis) aber nur um zwei Prozent (Chest 134, 2008, 1192). Mit Formoterol plus 800 μg Budesonid wurde die Zeit gut kontrollierten Asthmas sogar um weitere 29 Prozent gesteigert. 

Zu ähnlichen Ergebnissen ist nach Angaben des Pneumologen eine Beobachtungsstudie über zwölf Monate zu den beiden Therapiestrategien gekommen (J Allergy Clin Immunol 123, 2009, 116). Allerdings: Wurde lediglich die ICS-Dosis gesteigert, waren schwere Exazerbationen und Klinikeinweisungen seltener als bei einer Kombination mit LABA.

Bei Patienten mit ausreichend kontrolliertem Asthma lohnt es sich, zu klären, ob nicht gleichzeitig ein symptomatischer gastroösophagealer Reflux vorliegt. Hier kann eine Therapie mit Protonenpumpenhemmern (PPI) auch die Atemwegserkrankung bessern. Eine empirische Behandlung mit PPI bei instabilen Asthmatikern mit asymptomatischem Reflux sei jedoch nicht zu empfehlen, sagte Kohlhäufl und zitierte eine aktuelle Studie hierzu (NEJM 360, 2009, 1487).

Infos zur aktuellen Asthma-Leitlinie auf: www.versorgungsleitlinien.de/themen/asthma/pdf/nvl_asthma_lang.pdf

Praxis Update 2010
Das nächste Praxis Update findet am 7. und 8. Mai 2010 in Berlin statt. Es wird umfassend über die neuesten Entwicklungen der Allgemeinmedizin informiert.
Die Veranstaltung ist mit 16 CME-Punkten zertifiziert. Infos und Anmeldung auf: www.praxis-update.com

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »