Ärzte Zeitung, 30.07.2014

Steroid-Therapie bei Asthma

Wachstum wird dosisabhängig verzögert

Zwei Cochrane-Analysen bestätigen den Verdacht einer Wachstumsverzögerung durch Asthmasprays bei Kindern und Jugendlichen und raten zu niedriger Dosierung.

RIO GRANDE.Inhalative Steroide gelten als First-line-Therapie für Kinder mit persistierendem Asthma. Doch schon seit einiger Zeit stehen kortisonhaltige Sprays unter dem Verdacht, das Wachstum zu beeinflussen.

Dieser Aspekt wurde nun in zwei aktuellen Reviews der Cochrane Library überprüft. Linjie Zhang und Kollegen von der brasilianischen University of Rio Grande analysierten 25 Studien mit 8471 Kindern bis 18 Jahre mit leichtem bis mittelschwerem persistierendem Asthma (Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 7. Art. No.: CD009878).

Der Vergleich des Wachstums von Kindern unter Beclometason, Budesonid, Ciclesonid, Flunisolid, Fluticason oder Mometason (täglich, in niedriger bis mittlerer Dosierung) mit Kindern unter nicht-steroidalen Medikamenten oder Placebo ergab insgesamt eine signifikante Wachstumsverzögerung in der Gruppe mit Kortikoidtherapie.

In 14 der Studien wurde das Wachstum von 5717 Probanden über ein Jahr hinweg verfolgt. Während die Kinder der Kontrollgruppen jährlich durchschnittlich um 5,5-8,5 cm zulegten, erreichten die mit Kortikoiden behandelten Kinder etwa einen halben Zentimeter weniger.

"Unsere Ergebnisse legen nahe", so Zhang, "dass Kinder, die täglich Kortikosteroide inhalieren, im ersten Behandlungsjahr einen halben Zentimeter weniger wachsen." Dieser Effekt schwäche sich allerdings in den nachfolgenden Jahren ab und sei gering, verglichen mit dem Nutzen der Medikation für die Asthmakontrolle und die Entwicklung der Lunge.

Welcher der untersuchten Wirkstoffe letztlich die geringsten Auswirkungen auf das Wachstum habe, müsse in künftigen Vergleichsstudien untersucht werden, so Zhang.In einem zweiten Review analysierte Zhang u. a. zusammen mit Aniela Pruteanu von der University of Montreal, Kanada, als Erstautorin, 22 Studien mit 3394 Kindern.

Untersucht wurde, ob eine Veränderung der Dosis Einfluss auf das Ausmaß der Wachstumsverzögerung nehmen kann (Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 7. Art. No.: CD009471). Niedrige Dosierungen (50-100 μg HFA-Beclometason-Äquivalent) der Wirkstoffe Beclometason, Budesonid, Ciclesonid, Fluticason oder Mometason wurden mit niedrigen bis mittleren Dosierungen (200 μg HFA-Beclometason-Äquivalent) über 12-52 Wochen verglichen.

In vier Studien wurden 728 Kinder über ein Jahr beobachtet. Dabei zeigte sich unter der geringeren Dosierung ein kleiner, aber signifikanter Wachstumsvorteil von einem viertel Zentimeter (5,94 cm/Jahr vs. 5,74 cm/Jahr).

Fazit: Niedrigdosierungen bei Kindern mit leichtem bis mittelschwerem persistierendem Asthma sollten bevorzugt werden. "Wir brauchen mehr Langzeitstudien", so einer der Autoren, "in denen verschiedene Dosierungen verglichen werden, sowie Untersuchungen mit Kindern, die an schwerem Asthma leiden."

Bis diese Daten zur Verfügung stünden, bleibe nur die Empfehlung, Asthmakindern die minimal wirksame Dosis kortikoidhaltiger Medikationen zu verabreichen. Sowohl in der täglichen Praxis als auch in allen künftigen Studien solle zudem das Wachstum dokumentiert werden. (St)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »