Ärzte Zeitung, 26.10.2016
 

Atme und spiele!

Apps gegen Asthma

Ein Jungunternehmen aus Israel hat dieses Jahr den "Startup Track" auf dem Weltgesundheitsgipfel in Berlin gewonnen. Das Modell: die Linderung von Asthma durch digitale Spiele.

Von Martina Merten

BERLIN. Elad Fein, CEO des Jungunternehmens iFeel Labs, habe es geahnt, sagt seine Frau Keren Sereno Fein. "Schließlich würden Millionen von Menschen von unserer App profitieren", berichtete Fein im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" von der Gewissheit ihres Mannes. Elad Fein lag mit seiner Annahme richtig: Die Idee, Asthma mit digitalen Spielen zu lindern, hat überzeugt. Das Jungunternehmen gewann den ersten Preis des sogenannten Startup Tracks auf dem diesjährigen Weltgesundheitsgipfel in Berlin.

Der iFeel Labs Sensor überwacht den Herzschlag des Nutzers. Nur bei richtiger Ein- und Ausatmung – unter Anleitung der App – kommt der Spieler einen Schritt weiter. Die Atemmuskulatur – für Asthmatiker besonders wichtig – entspannt sich. Das Ganze ist nicht teuer: Ein Bluetooth Sensor kostet 199 US Dollar, ein USB Sensor 99 US Dollar. Alle mobilen Apps sind im Preis enthalten.

"Die Kombination aus Sensoren mit spielerischen Anwendungen speziell auch für Kinder, die zudem klinisch validiert wurden, und der ,Unmet Medical Need‘ bezüglich Asthma gaben den Ausschlag für unsere Entscheidung", berichtet Jurymitglied Dr. Klaus Stöckemann, geschäftsführender Partner von Peppermint Venture Partners (PVP), gegenüber der "Ärzte Zeitung".

Gemeinsam mit Dr. Kai Uwe Bindseil von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, Dr. Markus Müschenich vom Bundesverband Internetmedizin, Jörn Krupa von der Helmholtz-Gemeinschaft und Jutta Klauer von Pfizer Deutschland hatte PVP am 10. Oktober den ambitionierten Jungunternehmer ausgewählt. In ihrer Begründung hieß es: "iFeel Labs verwandeln erfolgreiche Spiele wie ‚Candy Crush‘ in biosensitive Anwendungen, bei denen Spieler nur besser werden, wenn sie gut atmen". Der Gewinn: ein Business-Coaching des Inkubators Flying Health, die Aufnahme in die "Start-Alliance" von Berlin Partner sowie exklusive Kontakte zu potenziellen Mentoren und Sponsoren.

Anfangs, berichte Keren Sereno Fein, die für den Vertrieb bei iFeel Labs zuständig ist, war die App ausschließlich als Instrument zum Stressmanagement und zur Entspannung gedacht.

Die Idee, daraus mehr zu machen, kam durch Professor Hannah Blau, Leiterin der Abteilung für Atemwegserkrankungen am Schneider Children's Medical Center of Israel. Blaus Aussage: "Wenn Kinder die App nutzen sollen, müsst Ihr daraus ein Spiel machen!"

FDA-Zertifizierung steht noch aus

Nun stehen drei Studien an, in denen die Folgen der App getestet werden: eine zur Mukoviszidose-Behandlung (CF study) am Hadassah Krankenhaus in Jerusalem, eine weitere Pilot-Studie zur Behandlung von Patienten mit Angststörungen in Kooperation mit dem Israelischen Bildungsministerium sowie eine Asthma-Studie am Apollo Krankenhaus in Chennai, Indien.

Bislang sind ausschließlich die Sensoren von iFeel Labs zertifiziert. Im Anschluss an die Ergebnisse der drei Studien soll Keren Sereno Fein zufolge die Zertifizierung der Software durch die U.S. Food and Drug Administration erfolgen."Incentives" wie der Startup Track des Weltgesundheitsgipfels hält Dr. Lloyd B. Minor, Dekan an der Stanford School of Medicine, für extrem wichtig, um Jungunternehmer zu motivieren.

Während sich die Health-Startup-Szene in Deutschland gerade erst etabliert, ist man in den Staaten schon einen Schritt weiter. Die Medizinische Fakultät von Stanford, im Herzen des Sillicon Valley gelegen, arbeitet gemeinsam mit Apple an neuen Softwares, die die eigene Gesundheit kontrollieren und die dann durch moderne Apps genutzt werden können.

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