Ärzte Zeitung, 18.01.2017
 

Asthmakranke Kinder

ICS-Monotherapie reicht oft aus

Der Schweregrad von Asthma ist für die Therapieintensität nicht entscheidend, sondern die Asthmakontrolle, betont Professor Matthias Kopp. Er stellt die wichtigsten Entscheidungswege bei der Stufentherapie von asthmakranken Kindern vor.

Von Roland Fath

ICS-Monotherapie reicht oft aus

Was hilft am besten bei Asthma?

© smikeymikey1 / Fotolia

HAMBURG. Der Asthmaschweregrad, also das Ausmaß der Beschwerden tagsüber und nachts, sollte bei Kindern mit Asthma vor Therapiebeginn bestimmt werden, betonte Professor Matthias Kopp beim Deutschen Pädiaterkongress in Hamburg.

Denn: das therapeutische Management im Verlauf einer persistierenden Erkrankung richte sich im Wesentlichen nach dem Grad der Asthmakontrolle.

Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit Asthma bronchiale leiden an einer mild intermittierenden Erkrankung und können bedarfsweise mit kurzwirksamen Beta-2-Mimetika behandelt werden. Rund ein Fünftel hat ein mild-persistierendes und jeweils 10-15 Prozent ein moderat oder schwer persistierendes Asthma.

Ein unkontrolliertes Asthma kann bei jedem Schweregrad eines persistierenden Asthmas vorliegen, betonte der Pädiater von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.

Wann auf Kombitherapie mit ICS umsteigen?

Man müsse bei Kindern und Jugendlichen mit moderatem Asthma bronchiale entscheiden, wie lange eine Monotherapie mit inhalativen Kortikosteroiden mit Dosiserhöhung erfolge und wann auf eine Kombinationstherapie mit ICS plus langwirksamen Beta-2-Mimetika (LABA) oder plus Leukotrien-Rezeptor-Antagonist (LTRA) umgestellt werden sollte.

Laut einer Vergleichsstudie mit 285 Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren ist auf Stufe III eine ICS-Therapie in mittlerer Dosis die zu bevorzugende Option, so der Pädiater. Fluticason 100μg zweimal täglich schnitt bei allen Endpunkten besser ab als Montelukast und wurde auch im Vergleich zu ICS/LABA (Fluticason 100μg/Salmeterol 50μg morgens und Salmeterol 50 μg abends) bevorzugt (Sorkness CA, JACI 2014).

Reiche diese Fluticason-Dosis nicht mehr aus (Übergang Stufe 3/Stufe 4), sei eine Kombination mit einem LABA oft wirksamer als eine weitere Erhöhung der ICS-Dosis, etwa zweimal 250μg Fluticason, so Kopp. Es gebe allerdings in einer weiteren Vergleichsstudie individuelle Unterschiede.

Formoterol wirkt scneller als Salmeterol

Bei der Wahl des LABA sollte berücksichtigt werden, dass Formoterol rascher wirke als Salmeterol. Mit der Kombination von Fluticasonfuorat / Vilanterol gebe es auch die Option einer einmal täglichen Therapie.

Von einer Therapie mit Montelukast profitieren laut Kopp eher jüngere Kinder, Patienten mit nächtlichen Beschwerden, ohne Einschränkung der Lungenfunktion und mit kurzer Krankheitsdauer. Sei das Asthma auch auf Stufe 4 nicht kontrollierbar, sollten das Device und die Inhalationstechnik überprüft werden.

Häufig werde die Therapie nicht richtig angewendet.

Weitere Option auf Stufe 5

Eine weitere Option sei auf Stufe 5 der anti-IgE-Antikörper Omalizumab. Im Update der GINA-Empfehlungen 2016 wurde auf Stufe 4 bei Kindern über 12 Jahren mit Asthmaexazerbationen das langwirksame Anticholinergikum Tiotropium und auf Stufe 5 bei Patienten mit eosinophilem Asthma über 12 Jahren der anti-IL5-Antikörper Mepolizumab ergänzt. Beide Optionen sind in Europa derzeit aber erst bei Patienten ab 18 Jahren zugelassen.

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