Ärzte Zeitung online, 03.05.2017
 

Pneumologie

Ambulante Reha – Welche Wege gibt es für Deutschland?

Durch den demografischen Wandel steigt der Bedarf an Rehabilitationsmaßnahmen, auch in der Pneumologie. Ein Lösungsansatz könnte die ambulante Reha sein.

Von Dr. Marc Spielmanns

Aktuell gibt es in Deutschland etwa 237 Rehabilitationskliniken, die eine pneumologische Rehabilitation anbieten. Diese nahezu ausschließlich im stationären Bereich.

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist allerdings gemäß dem Statistischen Bundesamt mit einer deutlichen Zunahme der Altersgruppe zu rechnen, welche eine Rehabilitationsleistung in absehbarer Zukunft in Anspruch nehmen wird. Dies spiegelt sich auch im Reha-Bericht der Deutschen Rentenversicherung wider, welcher ebenfalls eine Zunahme der Anträge auf eine medizinische Rehabilitation zeigt. Waren es im Jahr 2005 noch ca. 1,2 Mio. Anträge, sind es im Jahr 2014 bereits über 1,6 Mio. Anträge gewesen. Entsprechend ist die Anzahl der Bewilligungen und letztendlich durchgeführten Leistungen ebenfalls angestiegen.

Pneumologische Erkrankungen gehören innerhalb der Inneren Medizin zu den häufigsten Krankheiten. Große Volkskrankheiten wie Asthma und COPD sind oft der Grund zur Beantragung einer Rehabilitationsmaßnahme. Dennoch ist der Anteil an stationärer medizinischer Rehabilitation im pneumologischen Bereich unter 5 % der Gesamtzahl der durchgeführten Rehabilitationen in Deutschland.

Die häufigsten Krankheitsbilder stellen muskulo-skelettale Erkrankungen, sowie Erkrankungen bei psychischen Störungen und Neubildungen dar. Herz-Kreislauferkrankungen haben einen Anteil von 7 bis 9 %.

Gemäß der Statistik der Deutschen Rentenversicherung liegt der Anteil der pneumologischen Fachabteilungen der stationären Reha-Einrichtungen unter 3 %. In der Summe zeigt sich, dass das Angebot für stationäre pneumologische Reha zu gering ist.

Im europäischen Ausland findet pneumologische Rehabilitation überwiegend im ambulanten Sektor statt. Auch für Deutschland könnte die ambulante Rehabilitation ein Lösungsansatz für diese Problematik darstellen. Allerdings sind die Rahmenempfehlungen zur ambulanten pneumologischen Rehabilitation der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (2008) mit großen Auflagen behaftet. Unter anderem ist dies ein Grund, warum aktuell in Deutschland nur 2 reine ambulante Rehabilitationen zugelassen sind. An einigen Rehabilitationskliniken befinden sich allerdings ambulante Zentren, die die lokale Versorgung im pneumologischen Bereich gewährleisten.

Wünschenswert und sinnvoll wäre hier, in den Ballungszentren für ausreichende Kapazitäten zu sorgen. Ob die Rahmenempfehlungen überarbeitet werden können, um hier den Zugang zur ambulanten Rehabilitation bzw. Einrichtung neuer Lokalitäten zu erleichtern, muss diskutiert werden. Natürlich sollte hierdurch kein Qualitätsverlust der pneumologischen Rehabilitation auftreten. Es zeigt sich aber, dass auch im stationären Bereich pneumologische Rehabilitation mit unterschiedlichen Qualitäten stattfindet. Hier sind die Kostenträger gefordert, die Qualitäten entsprechend in den Reha-Kliniken einzufordern und die vorhandenen Rahmenempfehlungen auch für den stationären Bereich zu realisieren.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist für die COPD zu sagen, dass eine Gleichwertigkeit zwischen stationärer und ambulanter Rehabilitation bezüglich der Ergebnisqualität besteht. In einem aktuellen systematischen Review mit Metaanalyse wurde gezeigt, dass Rehabilitation auf häuslicher Basis oder im ambulanten Bereich gegenüber keiner Rehabilitation deutlich überlegen ist. Im Vergleich zwischen ambulanter Rehabilitation oder Rehabilitation in der häuslichen Umgebung scheinen die Unterschiede eher marginal. Es lässt sich also sagen, dass wahrscheinlich auch im häuslichen Bereich eine effektive ambulante Rehabilitation durchgeführt werden kann. Hier könnten neue Therapieformen, welche z. B. ein Telemonitoring nutzen, durchaus hilfreich sein. Hierzu gibt es neue interessante Studien, die eine Verknüpfung zwischen einem häuslichen Training und einem Telemonitoring zum Thema hatten. Im Vortrag soll auf den aktuellen Stand eingegangen werden.

Dieser Beitrag von Dr. Marc Spielmanns, Medizinische Klinik und Ambulante Pneumologische Rehabilitation in Leverkusen, ist bereits in der DGP-Kongress-Ausgabe vom 23. März 2017 erschienen.

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