Ärzte Zeitung online, 24.07.2017
 

Diagnostik

Wie gut ist eine leichte COPD im Röntgen-Thorax erkennbar?

Ein ausreichender Anteil korrekt erkannter leichterer COPD-Fälle im Thorax-Röntgen ist nur um den Preis vieler falsch-positiver Ergebnisse zu haben, wie eine niederländische Studie zeigt.

Von Robert Bublak

Wie gut ist eine leichte COPD im Röntgen-Thorax erkennbar?

Kritischer Blick auf das Thorax-Röntgenbild.

© DragonImages/stock.adobe.com

UTRECHT. Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) gelten als erheblich unterdiagnostiziert, die Suche nach einem effizienten Screening hat indes noch nicht zu überzeugenden Ergebnissen geführt. Zur Diagnose wie auch Klassifikation einer COPD wird dabei üblicherweise die Spirometrie herangezogen.

Womöglich stellte sich die Situation anders dar, wenn das Screening auf Patienten beschränkt würde, die bereits erste respiratorische Symptome aufweisen. Weil solche Patienten häufig zunächst zur Röntgenuntersuchung des Thorax geschickt werden, hat sich eine Gruppe niederländischer Radiologen um Annemarie den Harder von der Universitätsklinik Utrecht gefragt, ob sich leichte bis mittelschwere Fälle von COPD (Stadien GOLD I und II) vielleicht schon anhand der Standardaufnahmen des Röntgen-Thorax diagnostizieren lassen (Eur J Radiol 2017; 92: 159–165).

Typische radiologische Merkmale

Tatsächlich stellten sich einige radiologische Merkmale als recht charakteristisch für eine COPD im GOLD-Stadium I oder II und auch als relativ unabhängig vom einzelnen Begutachter der Aufnahmen heraus. Dazu gehörten

» der Abstand zwischen rechter Zwerchfellhälfte und erster Rippe rechts in der Aufnahme p.a. sowie

» die Höhe des rechten Diaphragmas,

» der Winkel zwischen Sternum und Diaphragma und

» der Retrosternalraum in der lateralen Aufnahme, zudem

» der allgemeine, für COPD typische Eindruck.

Wichtig schien es den Forschern um den Harder, in der klinischen Routine mit ihren vielen Thorax-Röntgenaufnahmen möglichst wenige falsch positive Ergebnisse zu erzielen. In der Festlegung der Schwellenwerte der genannten radiologischen Parameter wurden daher positive prädiktive Werte (PPV) von mindestens 80 Prozent angestrebt.

Sodann probierten die Radiologen ihre Kriterien an den Röntgenbildern von 155 Patienten mit spirometrisch nachgewiesener COPD im Stadium I oder II und von 155 lungengesunden Kontrollpersonen aus. Bei den Aufnahmen handelte es sich um Routinediagnostik vor kardiothorakalen Operationen.

Ein Viertel korrekt identifiziert

26 Prozent der COPD-Patienten konnten auf diese Weise korrekt klassifiziert werden. Allerdings wurde auch bei 22 Prozent der Gesunden fälschlich eine COPD diagnostiziert.

Der Versuch, die Zahl der falsch positiven Resultate zu senken, indem in einem sämtliche radiologischen Parameter und zusätzlich noch Alter, Geschlecht und Art der Op umfassenden komplexen Modell die Ausgangswahrscheinlichkeit für eine COPD auf 97 Prozent geschraubt wurde, gelang zwar.

Am PPV war ebenso wie an der Spezifität nun nichts mehr auszusetzen; sie lagen bei 100 Prozent, falsch positive Ergebnisse gab es nicht mehr. Richtig positive Resultate waren dadurch aber ebenfalls rar geworden: Die Sensitivität erreichte nur noch 10 Prozent.

Der Anteil richtig positiver Befunde ließ sich nur durch einen überproportionalen Anstieg falsch positiver Diagnosen steigern. Angesichts dessen fällt die Bilanz von den Harder und Mitarbeitern wenig überraschend aus.

"Von einer Diagnose leichterer COPD-Formen anhand der Standardröntgenbilder des Brustraums ist abzuraten", schreiben die Wissenschaftler. Und mittelschwere sowie schwere Fälle seien normalerweise bereits aufgrund der klinischen Befunde bekannt.

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