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Ärzte Zeitung online, 09.08.2017

Botulinumtoxin

Gift für allergische Rhinitis

In einer Pilotstudie hat sich Botulinumtoxin Typ A als wirksam gegen allergische Rhinitis erwiesen. Ein Vorteil gegenüber den symptomatischen Standardtherapien ist dabei der lang anhaltende Effekt.

Von Robert Bublak

Botulinumtoxin gegen Hausstaubmilben-Allergie

Ein Heer von Hausstaubmilben: Für betroffene Allergiker könnte Botulinumtoxin eine Option sein.

© Juan Gärtner / Fotolia

SINGAPUR. Botulinumtoxin Typ A (BTX-A) hemmt die Freisetzung von Acetylcholin aus den präsynaptischen Nervenenden in den synaptischen Spalt. An der Muskulatur führt das zu schlaffer Paralyse. Acetylcholin ist aber nicht nur der Transmitter an der motorischen Endplatte. Im vegetativen Nervensystem wirkt es als präganglionärer und im parasympathischen Schenkel auch als Botenstoff an den Zielorganen. Damit eignet sich BTX-A dafür, die parasympathische Stimulation zu modulieren und Hyperhidrosis, Sialorrhö und Frey-Syndrom zu behandeln.

Blockade des Parasympathikus

7,6 Punkte im TNSS-Score

erreichten die Studienteilnehmer zwei Wochen nach der Injektion von 12,5 Einheiten BTX-A.

Vor der Injektion hatte der Wert im Mittel bei 15,1 gelegen.

Ein weiteres Einsatzgebiet für BTX-A ist die idiopathische (vasomotorische) Rhinitis, die aus einer autonomen Imbalance resultiert. Die Parasympathikuseffekte überwiegen dabei jene des Sympathikus. Eine Blockade des Parasympathikus durch BTX-A-Injektionen in die Nase hilft, die Beschwerden zu lindern.

Edward Zhang, HNO-Spezialist am Allgemeinen Krankenhaus Singapur, hat zusammen mit Kollegen untersucht, ob sich mit BTX-A nicht nur gegen intrinsische, sondern auch gegen allergische Rhinitis etwas ausrichten lässt (Laryngoscope 2017, online 6. Juli). Drei Mechanismen dienten in der Pilotstudie als Ansatzpunkte: Induktion einer Apoptose in den nasalen Drüsen, Hemmung der Freisetzung von Acetylcholin aus den cholinergen Nervenenden in der nasalen Mukosa und Inhibition der Acetylcholinfreisetzung aus den präganglionären Nervenenden am Ganglion sphenopalatinum.

Zehn erwachsene Patienten mit mäßiger bis schwerer Hausstaubmilben-allergischer Rhinitis (mehr als zehn von schlimmstenfalls 20 Punkten im Total Nasal Symptom Score, (TNSS) stellten sich als Probanden zur Verfügung. Ihnen wurden jeweils 12,5 Einheiten BTX-A, verdünnt in 0,3 ml Kochsalzlösung, in die zuvor mit einem Spray örtlich betäubte hintere laterale Nasenwand injiziert. Die Injektion dauerte eine Minute, verwendet wurden Spinalkanülen.

Schmerzhafte Injektion

Der TNSS-Wert sank nach der Injektion von zuvor im Mittel 15,1 auf 7,6 nach zwei Wochen beziehungsweise 7,7 nach vier Wochen. Damit zeigt die Injektion eine längere Wirkung als symptomatische Standardtherapien. Am stärksten besserte sich die Rhinorrhö, gefolgt von Niesreiz, verstopfter Nase und Juckreiz. Auch die Lebensqualität zeigte sich allgemein verbessert. Allerdings war die Prozedur relativ unangenehm, im Durchschnitt wurden die Injektionen mit 5,7 von zehn Punkten bewertet und verursachten damit durchaus starke Schmerzen. Zwei Patienten berichteten von leichten Kopfschmerzen, die aber nicht behandelt werden mussten.

Bevor BTX-A-Injektionen gegen allergische Rhinitis in die klinische Routine aufgenommen werden können, sind laut Zhang und Mitarbeitern einige Frage zu klären, etwa jene nach dem besten Injektionsort (oder auch einer möglichen topischen Applikation), der optimalen Dosis, den geeigneten Patienten und der Kombination mit anderen Pharmaka. Offen sei auch, ob sich durch die wiederholte Anwendung über lange Zeit schließlich eine Toleranz entwickeln und so der Nutzen der Therapie abgeschwächt würde.

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