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Modul: Asthma bronchiale – Update 2019

Ärzte Zeitung online, 26.06.2019

Gendermedizin

Was Asthma mit Geschlecht und Alter zu tun hat

Experten beschreiben deutliche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, die unter Atemproblemen leiden. Manche sind psychogener Ursache, die sich erst nach vertiefter Anamnese offenbart.

Was Asthma mit Geschlecht und Alter zu tun hat

Jungen leiden etwa bis zum Alter von 12 Jahren häufiger als Mädchen unter Atemlosigkeit. Auch Asthma kommt vor der Pubertät bei Jungen deutlich häufiger vor. Später dreht sich das Blatt.

© Christian Harberts / iStock / Thinkstock

MÜNCHEN. Bei Kindern und Jugendlichen mit Dyspnoe gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede, die zudem altersabhängig sind. So leiden Jungen etwa bis zum Alter von 12 Jahren häufiger als Mädchen unter Atemlosigkeit, hat Professor Jürgen Seidenberg vom Uniklinikum Oldenburg beim DGP-Kongress berichtet.

Später egalisiere sich das und kehre sich dieses Verhältnis um. Jungen haben im Kleinkindalter kleinere Atemwege als Mädchen, weshalb obstruktive Episoden vergleichsweise häufiger vorkommen. Später, ab der Adoleszenz, haben Frauen allein aus anatomischen Gründen eine im Durchschnitt geringere Vitalkapazität oder Einsekundenkapazität.

Aus der KiGGS-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) geht hervor, dass Asthma bei Jungen vor der Pubertät deutlich häufiger vorkommt als bei Mädchen. Die Prävalenzen nähern sich in der Pubertät mit jeweils etwa 7 Prozent im Alter von 11 Jahren an, wie eine niederländische Studie bestätigt.

Risikofaktoren für Asthma

Im Alter von 16 Jahren liegt die Prävalenz bei Mädchen bei 6,2 Prozent, bei Jungen bei 4,3 Prozent. Dies ist auf eine erhöhte Inzidenz sowie verminderte Remissionsraten bei Mädchen im Vergleich zu Jungen zurückzuführen. Prävalenz und Inzidenz bei Jungen nehmen ab.

Sucht man nach Risikofaktoren, scheinen sich die Adipositas sowie die intrauterine Passivrauchbelastung bei den Mädchen negativer auszuwirken als bei Jungen (J Allergy Clin Immunol 2010; 126: 498-504). Bekannt ist, dass Kinder, die auf dem Lande aufwachsen, deutlich seltener Asthma und Atopien haben als Stadtkinder. Auch hierbei lasse sich ein deutlicher Geschlechtsunterschied zugunsten der Mädchen beobachten, erklärte Seidenberg.

Gute Erklärungen für diese Geschlechterunterschiede gebe es bislang nicht. Dysfunktionelle respiratorische Symptome lassen sich nach ätiologischen Gesichtspunkten Diagnosen zuordnen.

Grob unterscheiden lässt sich rein psychogene Atemnot, etwa bei Panikattacken, von psychogen ausgelöster Atemnot mit organischen Folgen wie der Vocal Cord Dysfunction. Schließlich gibt es organische Erkrankungen wie Asthma bronchiale, deren Attacken unter Umständen psychogen getriggert werden. Seidenberg erläuterte dies an verschiedenen Beispielen.

Typische Verhaltensmuster bei Asthma

Zu den Stereotypien oder Tic-artigen Störungen gehört der habituelle Husten, der fast ausschließlich bei Jungen beobachtet wird. Ein lauter und störender, röhrender Husten „wie eine kanadische Wildgans“, so Seidenberg, der in Gegenwart von Eltern oder Lehrern zunehme, im Schlaf dagegen fast nie auftrete. Der Patient erscheint dabei wenig beeinträchtigt.

Typisch ist die mit dem Husten verbundene „Hand an den Hals“-Bewegung. Auf Medikamente sprechen die Patienten nicht an. Die allein psychogene Genese sei nicht immer von vornherein klar und bedürfe einer vertieften Anamnese, erklärte der Kinderpneumologe.

Gegenüber Eltern sollte versichert werden, dass es sich um nichts Schlimmes handelt, zugleich müssen Negativaussagen („Hat nichts“) vermieden werden. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen sind oft erfolgreich.

Weniger bekannt sind Störungen des Atemmusters die vor allem bei Mädchen vorkommende Hyperventilation mit schneller, flacher Atmung oder die Seufzer-Dyspnoe mit einzelnen tiefen Atemzügen. Eine funktionelle Atemstörungen mit strukturellem Korrelat ist die Vocal Cord Dysfunction. Diese kommt gehäuft bei Asthma-Patienten mit hyperreagiblen Atemwegen vor, gelegentlich besteht nur ein Globusgefühl oder Heiserkeit.

 Antiasthmatika bessern die Beschwerden nicht. „Etwa 30 Prozent der Kinder sind psychiatrisch auffällig.“ Ausgeprägter Ehrgeiz, intrafamiliäre Konflikte oder sexueller Missbrauch können hinter der Symptomatik stecken. Ausgeschlossen werden sollten ein gastroösophagealer Reflux oder chronische Sinusitis. Nötig ist unter Umständen ein logopädisches Stimm- und Atemtraining sowie Psychotherapie. (ner)

Dieser Beitrag erschien zuerst auf: springermedizin.de

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[26.06.2019, 16:36:44]
Hubertus Picard 
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