Ärzte Zeitung, 07.05.2004

Minimal-invasive Thoraxchirurgie faßt immer mehr Fuß

Perioperative Letalität beträgt unter ein Prozent

BERLIN (grue). Etwa 20 Prozent der operativen Eingriffe an der Lunge werden heute minimal-invasiv gemacht. Ein relativ neues Verfahren ist dabei die videoassistierte minimal-invasive Thoraxchirurgie. Das Verfahren hat Professor Robert Loddenkemper aus Berlin beim dortigen Deutschen Ärztekongreß vorgestellt.

Videoassistierte thorakoskopische Operationen sind zum Beispiel für Patienten mit Pneumothorax, Lungenemphysem oder Metastasen geeignet, wie der Pneumologe von der Lungenklinik Heckeshorn berichtete. Das Verfahren gilt mit einer perioperativen Letalität von unter einem Prozent als sicher, auch Spätkomplikationen wie Rezidivpneumothorax und Brustwandhernie kommen in großen Zentren nur selten vor.

"Mit der minimal-invasiven Chirurgie lassen sich zum Beispiel isolierte Krebsherde in der Lunge sehr schonend entfernen, sofern sie im Randbereich wachsen", sagte Loddenkemper. Um zu verhindern, daß Tumorzellen verschleppt werden, wird das Tumorgewebe zunächst in einen Beutel geschoben und dann über den endoskopischen Zugang herausgezogen.

Professor Dirk Kaiser, ebenfalls von der Lungenklinik Heckeshorn, nannte als eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Eingriff unter anderem die präoperative Untersuchung in der Spiral-CT, etwa zur exakten Lokalisation. Der Abstand zwischen Rundherd und Pleura viszeralis dürfe zudem den Durchmesser des Tumors nicht überschreiten - so die Faustregel. Des weiteren sollten in jedem Lungenflügel höchstens zwei Tumorherde entfernt werden.

Der Umstieg vom endoskopischen Eingriff zur offenen Chirurgie sei bei Bedarf einfach, ergänzte Loddenkemper. Denn wie bei einer konventionellen Op auch wird der Patient bei der minimalinvasiven Op durch einem Doppellumen-Tubus einseitig beatmet. Im Prinzip müsse nur noch der Schnitt verlängert werden, sagte der Pneumologe.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »