Ärzte Zeitung, 12.05.2005

Zahnschienen bei Schlafapnoe haben ihre Grenzen

Phasen verminderter Atmung nehmen ab / Langfristig aber gibt es unerwünschte Effekte und Akzeptanzprobleme

BERLIN (gvg). Intraorale Zahnschienen werden bei Menschen mit Schlafapnoesyndrom (SAS) zunehmend als Alternative zur nächtlichen Beatmung eingesetzt. Eine Berliner Studie zeigt, daß sie helfen können, aber auch Grenzen haben.

Zahnschienen (orofasziale Protrusionschienen, auch Schnarchschienen genannt) erleben derzeit einen kleinen Boom bei Patienten mit SAS: Mehr als 180 verschiedene Modelle sind allein in Deutschland auf dem Markt. Sie werden auf unterschiedliche Weise in den Mund eingesetzt und drücken die Zunge nach vorne, was eine Offenhaltung der Atemwege begünstigt.

Für Dr. Katrin Pilz und ihre Kollegen von den DRK-Kliniken "Mark Brandenburg" in Berlin sind diese Schienen gut geeignet, um jenen SAS-Patienten eine Therapie anzubieten, die sich gegen eine nächtliche, nicht-invasive Beatmung sträuben. Als eine generelle Alternative zur Beatmung sieht sie die Schienen aber nicht.

In einer Studie haben die Berliner Ärzte jetzt bei 63 Patienten mit leichtem SAS, die eine nicht-invasive Beatmung abgelehnt hatten, die Wirksamkeit von Protrusionsschienen untersucht.

Über zwei Jahre wurden in je sechsmonatigen Abständen unter anderem die Schlafzeit, die Benutzungsdauer und die unerwünschten Wirkungen der Behandlung untersucht. Außerdem wurde als objektives Maß für das SAS jeweils der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bestimmt, also die durchschnittliche Zahl der Episoden mit reduzierter Atmung pro Stunde Schlaf.

Die Wirkung war zunächst gut: Nach sechs Monaten fiel der AHI von im Mittel 18 auf knapp unter neun. Im Verlauf der zwei Jahre stieg er allerdings wieder, wodurch die statistische Signifikanz verloren ging.

Grund war wohl vor allem eine zunehmend geringere Akzeptanz der Geräte: Wurden sie anfangs pro Nacht sechs Stunden genutzt, waren es am Ende nur noch vier Stunden. Dies korrelierte mit Klagen über morgendliche Schmerzen im Kiefergelenk (14 Prozent der Patienten), Druckstellen (17 Prozent) und Speichelfluß (11 Prozent). "durch die Schienen kommt es zu einer therapeutischen Reduktion des Ahnin. Ihr Effekt wird aber im Verlauf durch unerwünschte Wirkungen und Akzeptanzprobleme geschmälert", so das Fazit der Ärztin.

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