Ärzte Zeitung, 15.01.2008

Routine-Thorax ist nicht indiziert!

Ohne konkreten Krankheitsverdacht nützt Diagnostik nicht / Nutzen eines Raucher-CT-Screenings wird untersucht

BERLIN (gvg). Röntgen-Thorax-Untersuchungen ohne konkreten Krankheitsverdacht, nur zum Ausschluss eines pathologischen Befundes, werden immer noch häufig angefordert. Zu Unrecht, wurde auf dem Fortbildungskongress der Bundesärztekammer in Berlin betont.

"Den klassischen Routine-Thorax kann man heute als tot bezeichnen" sagte Professor Stefan Diederich vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Marienhospital in Düsseldorf. Weder sei vor jeder Operation mit Vollnarkose oder bei jeder internistischen Klinikaufnahme älterer Patienten eine Röntgenthorax-Aufnahme erforderlich. Noch sei es sinnvoll, bei rauchenden Patienten im Alter von über 60 Jahren vorsichtshalber zu röntgen, um nicht ein mögliches Lungenkarzinom zu übersehen.

Solche und ähnliche Schemata sind noch immer weit verbreitet. Dabei wisse man heute aus großen Untersuchungen, dass orientierende Röntgenthorax-Aufnahmen, die nicht der konkreten Diagnostik dienen, etwa bei Verdacht auf eine Pneumonie, nur bei Patienten mit stark erhöhtem Risiko für pathologische Befunde sinnvoll seien, so Diederich. Im Falle der Operation seien das in erster Linie jene Patienten mit bekannten kardialen oder pulmonalen Erkrankungen oder mit Symptomen solcher Erkrankungen. Ein höheres Alter per se hält Diederich dagegen nicht für eine ausreichende Indikation für einen präoperativen Röntgen-Thorax.

Auch die zweite große Domäne des Routine-Thorax, die Screening-Un- tersuchung bei rauchenden Patienten mit und ohne COPD im typischen Lungenkrebsalter ab etwa 55 Jahren, sollte aufgegeben werden, so Diederich. Große progressive Studien mit mehreren zehntausend Teilnehmern hätten klar gezeigt, dass solche Untersuchungen keinen Einfluss auf die Sterblichkeit haben.

Unklar ist dagegen bisher, ob ein CT-Screening der Lunge bei Rauchern mit oder ohne COPD Nutzen bringt. "Hier laufen gerade große Studien mit Niedrigdosisprotokollen, deren erste Ergebnisse wir im Jahr 2010 erwarten", so der Experte. Bis dahin empfiehlt er Zurückhaltung.

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