Ärzte Zeitung, 19.03.2008
 

Raucherlungen altern rascher - das verleidet die Zigaretten

Das Konzept des "Lungenalters" fördert den Verzicht / Studie in Hausarztpraxis

HODDESDON (ars). Den Patienten einen Befund nicht in dürren Zahlen, sondern mit einem anschaulichen Vergleich zu präsentieren - das fördert gesundheitsbewusstes Verhalten. Teilt man etwa einem Raucher mit: "Sie mit 50 haben eine Lunge wie ein 75-Jähriger" sind die Chancen eines Rauchverzichts größer, als wenn er nur seine Einsekundenkapazität erfährt.

Mit 50 eine Lunge wie ein 75-Jähriger - das macht Raucher nachdenklich.

Das Konzept des "Lungenalters" sei eine gute Möglichkeit, spirometrische Daten verständlich zu machen, berichtet der britische Allgemeinarzt Dr. Gary Parkes aus Hoddesdon in seiner Studie (BMJ 336, 2008, 598). Es beruht darauf, dass die Lungenfunktion bei Rauchern mit dem Alter stärker abnimmt als bei Nichtrauchern - so als ob die Lunge rascher altern würde. Die Differenz lässt sich grafisch darstellen und mit der Botschaft verknüpfen: Bemühen Sie sich, diese vorzeitige Alterung zu verlangsamen!

Fast 14 Prozent der so vorbereiteten Teilnehmer hörten innerhalb eines Jahres auf, dagegen nur 6 Prozent jener, die lediglich ihren FEV1-Wert erfuhren. Als objektiver Indikator diente der Kotiningehalt im Speichel. Eigenen Angaben zufolge rauchten die Patienten zu Studienbeginn durchschnittlich 17 Zigaretten täglich, nach zwölf Monaten waren es bei der Versuchsgruppe noch 12, bei der Kontrollgruppe 14.

Ob jemand das Rauchen aufgab oder nicht, war unabhängig von der Lungenfunktion. Die Patienten mit erhöhtem Lungenalter verstanden ihren Befund als Appell, keine weitere Beschleunigung in Kauf zu nehmen, die Patienten mit noch altersgerechter Kapazität fassten das erfreuliche Resultat als Anreiz auf, auf Zigaretten zu verzichten, bevor es zu spät wäre, berichtete Parkes.

Seine Arbeitsgruppe untersuchte 561 Raucher zunächst spirometrisch. 16 Prozent hatten eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung. Alle erhielten den Rat, das Rauchen aufzugeben sowie Infos zu Gesundheitsrisiken und Entwöhnung.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »