Ärzte Zeitung online, 23.09.2008

Künstliche Lunge ECMO in Mannheim - Therapie für Erwachsene und Kinder

MANNHEIM (eb). Seit kurzem steht in der Mannheimer Universitätsklinik wieder ein ECMO-Gerät für Erwachsene zur Verfügung. Das Klinikum ist damit eines der wenigen Krankenhäuser in Europa, die Patienten bei schwerem Lungenversagen mit der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) behandeln. Dabei wird der Patient an ein Gerät angeschlossen, das vorübergehend die Funktion der menschlichen Lunge übernimmt.

Zum Einsatz kommt ECMO vor allem bei schweren Lungenentzündungen und Lungenversagen aufgrund von Blutvergiftungen. Das ECMO-Gerät entlastet die Lunge und gibt ihr Gelegenheit, sich zu regenerieren. Diese Entlastung kann lebensrettend sein.

Die Systeme waren in der Vergangenheit technisch noch nicht ausgereift

"Die Expertise für ECMO-Behandlungen ist an unserer Klinik seit Jahren vorhanden", so Dr. Armin Kalenka, Oberarzt und Geschäftsfeldleiter Intensivmedizin am Universitätsklinikum. "Allerdings waren die herkömmlichen Systeme technisch nicht so ausgereift, so dass bei erwachsenen Patienten die Gefahr von Komplikationen und Nebenwirkungen sehr hoch war", so Kalenka in einer Mitteilung der Uni. Deshalb seien in den letzten Jahren weltweit immer weniger Erwachsene mit dieser Methode behandelt worden.

Entwicklungen im Bereich der Beatmungsstrategien, der Blutpumpen sowie den Oxygenatoren (den eigentlichen "künstlichen Lungen") haben dazu geführt, dass sich die Beatmung und der Bluttransport über das ECMO-System heute wesentlich schonender erreichen lassen als noch vor einem Jahrzehnt.

Das Mannheimer ECMO-System kann sowohl im Hubschrauber als auch im Rettungswagen genutzt werden

Das Mannheimer ECMO-System kann sowohl im Hubschrauber als auch im Rettungswagen transportiert werden, so dass Patienten mit schwerem Lungenversagen (ARDS) bereits in dem Krankenhaus angeschlossen werden können, in dem sie ursprünglich in Behandlung gewesen sind. Betreut werden sie auf dem Transport jeweils von zwei Mannheimer Fachärzten mit entsprechender Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit ARDS.

Der erste ECMO-Fall, den Dr. Kalenka und seine Kollegen mit dem neuen System behandelt haben, war ein 48-jähriger Mann, der aus einem hessischen Krankenhaus nach Mannheim verlegt wurde. Er litt an einer bakteriellen Lungenentzündung und war in lebensbedrohlichem Zustand. Nach zweieinhalb Wochen am ECMO-Gerät hatte sich seine Lunge so weit erholt, dass er wieder in sein Heimat-Krankenhaus zurück verlegt werden konnte.

Auch Kinder werden in der Universitätsklinik Mannheim mit ECMO behandelt

Im Kinderzentrum des Mannheimer Universitätsklinikums werden pro Jahr etwa 50 Kinder mit der extrakorporalen Membranoxygenierung behandelt. Neben dem Lungenversagen aufgrund von Entzündungen kommt diese Therapie auch Neugeborenen mit einem angeborenen Zwerchfellbruch zugute. Bei diesen Babys haben sich Darmschlingen in den Brustkorb geschoben und die Entwicklung der Lungen beeinträchtigt. Während einer ECMO-Therapie erhalten die Lungen dann die nötige Zeit, um den Entwicklungsrückstand aufzuholen.

Dieses Verfahren ist maßgeblich am Mannheimer Universitätsklinikum entwickelt und Mitte der 1980er Jahre erstmals erfolgreich eingesetzt worden. Weil Mannheim über eine große Erfahrung und über das größte ECMO-Gerät für Kinder in Deutschland verfügt, kommen junge Patienten aus ganz Europa zur Behandlung hierher.

Stichwort ECMO

Die Abkürzung ECMO steht für extrakorporale Membranoxygenierung; dabei handelt es sich vereinfacht ausgedrückt um eine künstliche Lunge. Die Wirkungsweise beruht darauf, dass sauerstoffarmes, kohlendioxidreiches Blut aus dem Körper des Patienten in die ECMO-Lunge gepumpt wird. Es wird vom Kohlendioxid befreit und mit Sauerstoff angereichert - Aufgaben, die sonst bekanntlich die Lunge übernimmt. Anschließend wird das sauerstoffreiche Blut wieder in den Körper zurückgeleitet. Die Patientenlunge wird durch diese Therapie in ihrer Funktion überbrückt, damit sie keinerlei Belastung ausgesetzt ist und sich erholen kann.

Die Mannheimer ECMO-Spezialisten präsentieren ihr Know-how am kommenden Samstag, 27. September, in einem Symposium am Universitätsklinikum zum Thema "Was tun, wenn die Lunge versagt" von 9.30 bis 14 Uhr. Ort: Universitätsklinikum Mannheim, Theodor-Kutzer-Ufer 1-3, Haus 6, Ebene 4, Hörsaal 1.

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