Ärzte Zeitung online, 04.03.2009
 

Pneumologe fordert größere Rolle der Palliativmedizin

MANNHEIM/HEIDELBERG (dpa). Angesichts der hohen Sterberate bei Lungenerkrankungen fordert der Heidelberger Pneumologe Felix Herth ein Umdenken bei der Ärzteschaft. "Wir müssen akzeptieren, wenn Krankheiten unheilbar sind und zunehmend vom Heiler zum Therapeuten werden", forderte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Dieses Bewusstsein entwickele sich langsam unter den Fachärzten. "Viele Kollegen tun sich aber noch schwer", sagte Herth im Vorfeld des 50. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Mannheim (18. bis 21. März). Umso wichtiger sei eine klare Positionierung seiner Gesellschaft bei Themen wie Palliativmedizin, forderte der Tagungspräsident.

"Die Betreuung in der Sterbephase muss auch bei uns Ärzten eine größere Rolle erhalten", meinte der Chefarzt der Thoraxklinik in Heidelberg. Als Mediziner werde man zunehmend mit diesem Thema konfrontiert. Auch mit Bitten von sterbenskranken Patienten, die ihrem Leiden ein Ende setzen wollten. "Irgendwann wird sich dazu auch in Deutschland die Politik äußern müssen", sagte Herth.

Parallel bemühten sich Forschung und praktizierende Ärzte um immer bessere Behandlungsmethoden bei der Therapie von Lungenerkrankungen. "Lungenkrebs ist von allen Krebserkrankungen nach wie vor diejenige, die am häufigsten zum Tod führt", schilderte Herth. "Inzwischen können wir aber etwas mehr auf den jeweiligen Tumor angepasste Therapien anbieten." Früher seien alle Erkrankten nahezu gleich mit Chemotherapie behandelt worden. "Heute können wir feststellen, ob ein Patient angesichts der Beschaffenheit des Tumors überhaupt von der Therapie profitiert." Ziel sei eine "maßgeschneiderte Therapie".

Verhindert werden könne der Krebs aber auch mit den neuartigen Methoden nicht. "Eine wirkliche Veränderung ist nur möglich, wenn das Rauchen komplett verboten wird", meinte Herth. Davon sei Deutschland angesichts der derzeitigen Politik meilenweit entfernt. Die Erfolge der Medizin bedeuteten daher nur eines: "Sie helfen den Erkrankten länger zu leben und besser zu leben - beispielsweise wegen geringerer Nebenwirkungen."

www.dgp-kongress.de/2009/

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