Kongress, 13.04.2010

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Kraftausdauertraining für COPD-Patienten

Sport bei COPD verbessert zwar nicht die Lungenfunktion, sehr wohl aber die Dyspnoe, die Belastbarkeit und die Lebensqualität. Wichtig ist es, dabei unter einer kritischen Ventilationsschwelle zu bleiben.

Von Thomas Meißner

Kraftausdauertraining für COPD-Patienten

Zum Training in ambulanten Lungensportgruppen gehören auch Übungen mit dem Theraband und dem Gymnastikball. © dpa

"Es erscheint fast so schwer wie übers Wasser zu laufen, COPD-Patienten wieder in Bewegung zu bringen, gerade nach einer langen Phase der Inaktivität", sagte Professor Heinrich Worth aus Fürth bei einer Sitzung der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Aber es lohnt sich: Muskelkraft, Gehstrecke, Koordination und auch Skelettparameter verbessern sich. Man hole zudem die Patienten aus ihrer sozialen Isolation, betonte Worth. Es gelte, die stete Abwärtsspirale aus typischen COPD-Beschwerden und sinkender körperlicher Aktivität zu durchbrechen.

Dabei wird darauf geachtet, dass Atemprobleme während der Übungen nicht zum Abbruch der Bewegung führen. "Deshalb hat das Krafttraining Eingang in die Bewegungstherapie bei COPD-Patienten gefunden", sagte Worth. Allerdings geht es dabei nicht um maximale Ausbelastungen, sondern um symptomorientierte Kraftausdauer. Praktiziert werden zum Beispiel leichtes repetitives Gewichtheben unter Atmungskontrolle oder Übungen mit dem Theraband.

Man beginnt mit einer Muskelgruppe, zum Beispiel einem Arm, und steigert die Belastungen langsam. Das Fahrradergometer- oder Handkurbeltraining über zehn bis 45 Minuten und zwei- bis sechsmal pro Woche sind wegen ihrer guten Steuerbarkeit ebenfalls gut für COPD-Patienten geeignet. Für schwer Erkrankte hat sich das Intervalltraining durchgesetzt: Man beginnt mit Belastungsphasen über 30 Sekunden, pausiert und wiederholt diese Phasen.

Um die Trainingseffekte langfristig aufrecht zu erhalten, sei es unbedingt erforderlich, nach Abschluss einer stationären Rehabilitation oder einer intensiven Behandlungsphase den Lungensport ambulant fortzuführen, betonte Worth. Dazu existieren zwar bundesweit bereits knapp 650 Lungensportgruppen. Das seien aber noch viel zu wenige, um überall eine wohnortnahe Versorgung gewährleisten zu können. Zum Vergleich: Die Zahl der Herzsportgruppen ist zehnmal größer. Wenn immer es geht, sollten die Patienten zu einem häuslichen Training angeregt werden.

Geeignet für eine Lungensportgruppe sind nach Angaben des Fürther Internisten Patienten, die 30 Minuten nach Bronchodilatation über drei Minuten mit 25 Watt belastbar sind und deren Zustand stabil ist. Die Sauerstoffsättigung sollte unter Belastung nicht unter 90 Prozent abfallen, der Blutdruck unter 220/120 mmHg liegen sowie das Belastungs-EKG keine Ischämiezeichen oder bedrohlichen Rhythmusstörungen zeigen.

Infos zu Lungensportgruppen unter www.lungensport.org

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