Ärzte Zeitung online, 16.06.2010

Britin stirbt nach Transplantation von Raucherlunge

LONDON (dpa). Der Tod einer Transplantationspatientin nach der Verpflanzung einer Raucherlunge hat in Großbritannien eine Diskussion ausgelöst. Die 28-Jährige litt an Mukoviszidose und hatte vergangenes Jahr in Manchester beide Lungenflügel eines Patienten eingesetzt bekommen, der 30 Jahre lang geraucht hatte. Rund sechs Monate später starb sie an einer Lungenentzündung.

Nach Angaben des Transplantationsbeauftragten der britischen Regierung, Chris Rudge, war das Rauchen des Organspenders in diesem Fall allerdings nicht das Problem.

Die Familie der Frau hatte eine Beschwerde eingelegt. Hätte sie gewusst, dass die Lunge von einem Raucher stamme, hätten sie sich vermutlich nicht für eine Transplantation entschieden, sagte der Vater Allan Scott dem Sender BBC. Die Patientin hatte sich die Lunge angeblich einsetzen lassen, nachdem sich ihr Gesundheitszustand massiv verschlechtert hatte.

"Lungen von Rauchern können vollkommen brauchbar für Transplantationen sein", sagte Rudge der BBC. Spenderorgane seien keine neuen, perfekten Organe. Wichtig sei, dass das Organ richtig arbeite. Der University Hospital of South Manchester NHS Foundation Trust erklärte, die Ärzte seien den nationalen Richtlinien gefolgt. "Weil Spenderlungen extrem selten sind, und 30 Prozent der Empfänger sterben, bevor sie eine Transplantation bekommen, haben wir und andere Transplantationszentren unsere Kriterien erweitert."

In Deutschland würden - wie auch in Großbritannien - Spenderorgane vor der Transplantation gründlich geprüft, erläuterte der Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Günter Kirste. Dazu gehöre auf jeden Fall ein Röntgenbild, bei Lungen auch eine Bronchoskopie sowie Labor- und Funktionstests. Für die Bewertung eines Organs sei zudem Raucher nicht gleich Raucher. Eine wichtige Rolle spiele, wie viel ein Spender geraucht habe.

Wegen des Abstands von einem halben Jahr zwischen Transplantation und Tod der Frau sei ein Zusammenhang mit der Organspende in dem britischen Fall unwahrscheinlich. Am gefährlichsten für Transplantationspatienten sei nach wie vor der Mangel an Spenderorganen. "Das größte Risiko ist heute immer noch, auf der Warteliste zu sterben."

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