Ärzte Zeitung online, 05.08.2010

Feuerwehrarzt: Massive Schäden durch Rauch möglich

Torf- und Waldbrände setzen auch toxisches Kohlenmonoxid frei

BERLIN/HAMBURG (dpa). Der Rauch von den Bränden rund um Moskau kann zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. Im schlimmsten Falle sei sogar Ersticken möglich, erläuterte Bundesfeuerwehrarzt Hans-Richard Paschen.

Betroffen seien vor allem Menschen in unmittelbarer Nähe der Feuer, sagte der Hamburger Experte am Donnerstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. In Moskau seien vor allem Menschen mit Vorerkrankungen der Lunge gefährdet. "Bei den Torf- und Waldbränden handelt es sich hauptsächlich um organisches Material, bei denen Kohlendioxid und das weitaus giftigere Kohlenmonoxid freigesetzt werden", sagte Paschen. Hinzu kämen die starke Hitze und Rußpartikel. "Wenn Rußpartikel in die Lunge geraten, tragen diese zu einer chemischen Schädigung der Schleimhaut bei." Diese könne aber wieder ausheilen. "Bei einer intensiveren Belastung kann sich das Lungengewebe jedoch verändern und verhärten, ähnlich wie bei Rauchern", erklärte der Arzt.

Eine Kohlenmonoxidvergiftung könne zum Ersticken führen. "Das Gas wird an rote, für den Sauerstofftransport zuständige Blutkörperchen gebunden", erklärt Paschen. So werde statt Sauerstoff Kohlenmonoxid in die Organe transportiert. "Die Zellen ersticken dadurch. Es ist, als wenn Sie sich in einer geschlossenen Garage bei laufendem Motor ins Auto setzen." Feuchte Tücher vor dem Mund würden nur bedingt helfen. Laut Paschen schützen sie hauptsächlich vor Rußpartikeln, jedoch nicht vor den giftigen Gasen in der Atemluft.

"Für meisten Menschen in Moskau sehe ich momentan keine schwere Gesundheitsgefahr", erklärte der Arzt. Bei Menschen mit schweren Vorerkrankungen der Lunge könne der Rauch hingegen zu weiteren Irritationen führen. "Diese Menschen sollten am besten in geschlossenen Räumen bleiben."

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