Ärzte Zeitung online, 29.08.2013
 

Diagnostik

Endosonografie punktet bei Sarkoidose

Biopsien sind mit der endosonografisch gesteuerten Feinnadelbiopsie effektiver durchzuführen als auf dem üblichen Wege der Bronchoskopie, hat eine Studie ergeben.

BONN. Um bei Verdacht die Diagnose einer Sarkoidose zu stellen, werden unter anderem Gewebeproben aus den Atemwegen und der Lunge untersucht. Üblicherweise erfolgt diese Biopsie während einer Spiegelung der Bronchien mit einem speziellen Bronchoskop, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Dabei werden mit einer kleinen Zange Schleimhautproben aus den Bronchien und zusätzlich mit einer Feinnadel kleine Proben aus dem Lungengewebe entnommen.

Doch die übliche Methode der Gewebeentnahme, die bei einer Spiegelung der Atemwege erfolgt, gelinge nicht immer, so die DEGUM: In etwa der Hälfte der Fälle verfehlten die Mediziner das kranke Gewebe.

Ein modernes Ultraschallverfahren bietet demgegenüber Vorteile: Die Gewebeentnahme ist mit der endosonografisch gesteuerten Feinnadelbiopsie wesentlich effektiver durchzuführen, hat eine neue Studie ergeben (JAMA 2013; 309(23): 2457-64). Die DEGUM empfiehlt daher, die Endosonografie bei der Diagnostik der Sarkoidose zu etablieren.

An der Studie haben 304 Patienten aus 14 Zentren in Brasilien und Europa teilgenommen. Ergebnis: Mit Ultraschalls gelang es, bei 80 Prozent der Patienten mit Sarkoidose die Granulome bei der Biopsie zu treffen. Mit dem Bronchoskop war dies nur in etwa der Hälfte der Fälle möglich.

"Die Ergebnisse sind eindeutig und sprechen dafür, die Endosonografie zur Diagnostik der Sarkoidose heranzuziehen", wird Dr. Christian Jenssen, Sprecher des DEGUM-Arbeitskreises Endosonografie und Chefarzt am Krankenhaus Märkisch-Oderland in Strausberg, zitiert. Bislang werde die Methode für diese Fragestellung in Deutschland allerdings unzureichend eingesetzt.

Gezielter Punktionsvorgang

Die endosonografischen Spezialgeräte machen die Gewebeschichten unterhalb der Schleimhautoberfläche sichtbar. Alternativ oder ergänzend zum endobronchialen Ultraschall kann die Untersuchung auch mit einem ähnlichen Gerät vom Ösophagus aus (Endoskopischer Ultraschall/EUS) vorgenommen werden.

"Alle Lymphknotenstationen des Brustraums liegen entweder der Speiseröhre oder den Atemwegen direkt an", erklärt Jenssen. "So kann der Untersucher die Nadel auf dem Weg in den Lymphknoten beobachten und den gesamten Punktionsvorgang gezielt durchführen und sicher kontrollieren."

"Die Endosonografie hat sich im letzten Jahrzehnt - in der Lungenheilkunde, in der Viszeralmedizin, aber auch in vielen anderen Bereichen der Medizin - zu einer interdisziplinären Schlüsselmethode entwickelt", sagt Jenssen.

Es sei an der Zeit, ihr diagnostisches und therapeutisches Potenzial auf hohem Niveau auszuschöpfen.

In Deutschland erkranken etwa 8000 Menschen jährlich an Sarkoidose, einer Bindegewebserkrankung, die vor allem die Lunge betrifft und zu Atembeschwerden, Reizhusten und allgemeinen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß und Gewichtsabnahme führt. (eb)

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