Ärzte Zeitung, 03.12.2014

Atemwegserkrankungen

Mit CRP-Test Antibiotika sparen?

Bei Patienten mit Atemwegsinfektionen kann ein CRP-Test zur Therapieentscheidung beitragen. In einem Cochrane-Review zeigte sich, trotz heterogener Studienlage,dass weniger Antibiotika eingesetzt wurden.

Von Christine Starostzik

KOPENHAGEN. Akute Atemwegsinfekte sind der weitaus häufigste Grund dafür, dass ein Hausarzt ein Antibiotikum verschreibt. Doch diese Infektionen sind meist viralen Ursprungs und Antibiotikatherapien damit nutzlos und eher belastend für die Patienten.

Ganz abgesehen davon, dass sie die Resistenzproblematik weiter befeuern und die Kosten in die Höhe treiben. Um unnötige Antibiotikatherapien zu vermeiden, die oft aus Sicherheitsgründen verordnet werden, ist eine patientennahe Diagnostik gefragt, mit der diejenigen identifiziert werden, die tatsächlich von der entsprechenden Behandlung profitieren können.

Rune Aabenhus von der University of Copenhagen analysierte mit Kollegen drei randomisierte kontrollierte und drei Cluster-randomisierte Studien mit 3284 Probanden, die an Atemwegsinfektionen erkrankt waren und entweder die Standardversorgung oder einen zusätzlichen Biomarker-Test im Vorfeld der Behandlung erhielten (The Cochrane Library 2014, Issue 11).

Es fanden sich ausschließlich Studien zum C-reaktiven Protein (CRP) als Biomarker für eine bakterielle Infektion.

Sind Bakterien die Ursache für einen Infekt, steigt das CRP (Normalwert: < 5-10 mg / l, je nach Labor) als unspezifischer Entzündungsmarker wenige Stunden nach Infektionsbeginn schnell auf das Zehn- bis Hundertfache an. Damit könnte der CRP-Wert als Orientierung bei der Therapieentscheidung dienen.

Insgesamt zeigte sich, dass in der gepoolten CRP-Gruppe signifikant seltener Antibiotika zum Einsatz kamen als bei Probanden mit Standardversorgung. Die Antibiotika-Verordnungsrate war mit CRP-Testung um insgesamt 22 Prozent niedriger als ohne. Allerdings variieren die Ergebnisse von Studie zu Studie stark.

Wegen der Heterogenität im Studiendesign müssten die Unterschiede vorsichtig interpretiert werden, meinen Aabenhus und Kollegen. Wurden randomisierte und Cluster-randomisierte Studien einzeln untersucht, ergab sich im ersten Fall eine nicht signifikante Risikoreduktion von 10 Prozent und im zweiten eine signifikante von 32 Prozent.

Hinsichtlich der klinischen Genesung der Patienten brachte die Orientierung am CRP-Wert keine Vorteile. In einer der Studien zeigte sich, dass Patienten der CRP-Gruppe häufiger stationär behandelt wurden als Patienten ohne CRP. Allerdings räumen die Studienautoren aufgrund der geringen Fallzahl hier die Möglichkeit eines Zufallsbefundes ein.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Verwendung des CRP-Wertes zur Orientierung den Einsatz von Antibiotika bei Atemwegsinfektionen in der Primärversorgung reduzieren kann.

Über die genaue Größe des Effektes sei im Rahmen dieser Metaanalyse jedoch keine Angabe möglich.Die Datenlage sei zu dünn für eine Kosten-Analyse oder den Vergleich mit anderen Strategien zur Einsparung von Antibiotika.

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