Ärzte Zeitung, 30.12.2016
 

Erkältung

Viel heiße Luft!

Hat eine  Inhalationstherapie mit heißer angefeuchteter Luft bei unspezifischen Infekten der oberen Luftwege Erfolg? Das wollten Forscher in einer Pilotstudie herausfinden. 

Viel heiße Luft!

Viele Patienten rücken einer Erkältung durch Inhalieren von Wasserdampf zu Leibe; die eingeatmete Luft sollte jedoch heiß genug sein.

© Susanne Güttler / fotolia.com

WELLINGTON / MÜNCHEN. Eine weit verbreitete Maßnahme zur Behandlung des banalen Infekts der oberen Luftwege ist die Inhalation mit heißem Wasserdampf unter der Überlegung, dass sich zum Beispiel humane Rhinoviren optimal bei einer Temperatur von 33 °C replizieren, genau der Temperatur, die üblicherweise in der eingeatmeten Luft herrscht.

Bei einer Temperatur von 43 °C stellen sie innerhalb von 60 Minuten, bei 45 °C sogar innerhalb von 30 Minuten die Vermehrung ein.

Ob diese Beobachtung in vitro auch klinisch relevant ist, muss anhand der Daten einer Metaanalyse von fünf randomisierten und kontrollierten Studien bezweifelt werden. Die Inhalation von angefeuchteter Luft mit Temperaturen zwischen 40 und 47 °C erbrachte gegenüber der Inhalation mit Raumluft keinen signifikanten Effekt auf Symptome und virale Befunde.

Jedoch kamen methodische Zweifel auf, ob mit den verwendeten Inhalationsgeräten tatsächlich derart hohe Lufttemperaturen im Nasenraum erreicht worden sind. Möglicherweise werden derart hohe Temperaturen auch von den Patienten gar nicht toleriert. Daher macht eine aktuelle Pilotstudie aus Neuseeland Sinn.

Überwachung der Temperatur

Mit dem neuen Inhalationssystem Airvo™ 2 (Fisher & Paykel Healthcare, Neuseeland) ist es möglich, angewärmten Sauerstoff oder Luft zu inhalieren, wobei die Temperatur im Nasenraum mittels eines geschlossenen Kontrollsystems fortlaufend überwacht werden kann.

Nach einem Test zur Prüfung der Durchgängigkeit der oberen Luftwege inhalierten zehn gesunde Probanden in einem randomisierten, doppelblind geführten Cross-over-Versuch in drei Sitzungen von jeweils 60 Minuten auf 37 °C beziehungsweise 41 °C angewärmte Luft in einer Flussgeschwindigkeit von 35 l/min (Pulm Med. 016; 2016: 7951272).

Zehn Minuten nach jeder Sitzung befragte man die Probanden anhand einer Likert-Skala über eventuell aufgetretene unangenehme Sensationen, Atemprobleme und die Belästigung durch die Inhalation. Mittels eines standardisierten Fragebogens wurde die potenzielle Akzeptanz der Behandlung im Fall einer Erkältungskrankheit evaluiert.

Trotz der Möglichkeit, die Inhalation jederzeit zu unterbrechen, machte keiner der Probanden davon Gebrauch. Die Belästigung durch die Inhalation bewegte sich zwischen 1 und 3 auf der fünfteiligen Skala; es konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Temperaturen festgestellt werden.

Beeinträchtigungen durch das Gewicht des Gerätes, Geräusche bei der Inhalation, die Durchgängigkeit der Nase und die Atmung spielten keine große Rolle und waren bei beiden Temperaturen ähnlich.

Die Frage, ob sie bei einer Erkältung bereit wären, diese Art der Inhalationstherapie dreimal täglich anzuwenden, beantworteten acht von zehn Probanden bei Inhalation von 37° bzw. 41 ºC warmer Luft mit "Ja". Zwei Probanden würden eine derartige Therapie bei beiden vorgewählten Temperaturen ablehnen.

Diese Ablehnung würde auch bestehen bleiben, wenn die Zeitdauer der Inhalation wesentlich verkürzt würde. Von den acht Inhalationswilligen erklärten sich nur vier bereit, die Therapie bei einer Erkältung auch in der Nacht anzuwenden.

Schlussfolgerung: Die Inhalationstherapie mit heißer angefeuchteter Luft hat bei unspezifischen Infekten der oberen Luftwege durchaus Erfolgschancen, die durch neue Inhalationsgeräte möglicherweise noch erhöht werden.

Studie mit freiwilligen Probanden

"Es handelt sich um eine Machbarkeitsstudie an einer kleinen Zahl von freiwilligen Probanden, welche die Akzeptanz der Inhalationstherapie grundsätzlich untersucht", kommentiert Professor Hermann S. Füeßl, Internist aus München, auf www.springermedizin.de.

"Diese offensichtlich motivierten Personen (ob sie ein Honorar erhielten, erfahren wir leider nicht) empfinden mehrheitlich die Belästigung durch die Inhalationstherapie auch bei angewärmter Luft als gering. Mit dem neuen Gerät wäre immerhin gewährleistet, dass auch die im Nasenraum befindliche Luft auf eine für die Hemmung des Viruswachstums effektive Temperatur angehoben werden kann", so Füeßl.

Nachdem aber nur etwa die Hälfte der Inhalationswilligen im Falle einer Erkältung diese Therapie auch nachts anwenden würde, stellt sich für den Internisten die Frage, ob diese Therapie im Alltag tatsächlich praktikabel ist. Es erscheine auch nicht einfach, dreimal täglich eine Stunde zu inhalieren, wenn man weiter seiner Arbeit nachgeht, meint Füeßl.

Füeßl: "Immerhin ist die Akzeptanz der technischen Details der Therapie so hoch, dass es sich sehr wohl lohnt, eine kontrollierte Studie bei tatsächlich Erkrankten zu planen. Erst wenn die Wirksamkeit der Behandlung bei Infekten der oberen Luftwege in tatsächlich relevanter Weise, das heißt eine Krankheitsverkürzung um wenigstens zwei Tage, nachgewiesen ist, wird diese Therapieform zumindest bei einigen Patienten Akzeptanz finden. Viele werden es dennoch nie sein, da erfahrungsgemäß langdauernde tägliche Anwendungen mit technischen Apparaturen bei einer selbst limitierten Erkrankung nur sehr zögerlich akzeptiert werden." (eb)

[01.01.2017, 22:33:44]
Wolfgang P. Bayerl 
Herr Kollege
Der Sauna- oder auch "heißes Bqd"-Effekt ist die Erhöhung der Körpertemperatur,
nicht irgendwelche Oberflächeneffekte.
Das "Schwitzen" ist die bekannte Folge davon.
Wasser überträgt Wärmeenergie physikalisch erheblich effektiver,
deshalb muss hier die Temperatur niedriger sei um nicht zu schaden. zum Beitrag »
[31.12.2016, 16:47:29]
Horst Grünwoldt 
Heilende Inhalationen
Das Einatmen von feucht-warmen Dämpfen bei Infekten der oberne Atemwege ist ein uraltes Hausmittel der Selbstbehandlung. Dabei ist die Verwendung von ätherischen Ölen (Kamillen-Extrakt u.a.) und deren aerosole Wirkung auf die vorgeschädigten Schleimhaut-Endothelien durchaus in Frage zu stellen!
Wenn sich humane Rhinoviren optimal bei reduzierter Körpertemperatur
("Erkältung") in den abkühlenden Atemwegen replizieren, und eine schwere (cyclische) Infektionskrankheit normalerweise mit Fieber als Schutzmechanismus einher geht, so erscheint es ganz und gar plausibel, die Hyperthermie zu fördern!
Um die weiteren Machbarkeits- (feasebility)-Studien des Münchner Internisten Professor Füeßl aus eigener Erfahrung anzuregen, berichte ich als regelmäßiges, saisonales Erkältungs- Opfer. Wenigstens zweimal im Jahr plagt mich eine hartnäckige Rhinitis, die sich mehrwöchig zur Pharyngitis und Laryngitis auswächst. Was mir schon als E-Helfer im subsaharischen Afrika aufgefallen ist, dass während der heißen Trockenperiode so gut wie niemand genießt oder gehustet hat, geschweige Grippesymptome gezeigt hat. Da mag ggf. eine epidemiologische Studie weitere Aufklärung bringen.
Ich selbst bin als Saunagänger nach dem Kraft- und Schwimmsport kein Freund von türkisch-russischen Dampfbädern. Vielmehr genieße ich die finnische Sauna ohne Aufguss zum Aufwärmen und Entspannen. Ich glaube sogar an mir selbst festgestellt zu haben, dass die tiefe-erwärmende Inhalation der trockenen Heiß-Luft sich nicht nur wohltuend auf die entzündeten Atemwege auswirkt, sondern den Virus-Infekt auch verkürzt.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

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