Ärzte Zeitung, 16.11.2016
 

Akute Atemwegsinfekte

Phytos first!

Ob akute Rhinitis und Rhinosinusitis oder akute Bronchitis – Auslöser sind meist Viren. Eine symptomorientierte Therapie ist dann zunächst Mittel der Wahl. Ärzte mehrerer Fachgebiete haben in zwei Praxisleitfäden Vorschläge zum Vorgehen entwickelt, um eine unnötige Antibiotikagabe zu vermeiden. Kernaussage der Empfehlungen ist: "Phytos first!"

Bei einem Expertenworkshop mit niedergelassenen Fach- und Hausärzten in Frankfurt am Main wurden Praxisleitfäden für eine stufenweise eskalierende Therapie bei primär unkomplizierten akuten Atemwegsinfektionen erarbeitet. Egal ob Rhinitis, Rhinosinusitis oder Bronchitis, in den meisten Fällen handelt es sich um virale Infektionen, erläuterte Dr. Peter Kardos, Internist mit pneumologischem Schwerpunkt aus Frankfurt am Main. Primär bakterielle Infektionen kommen nur bei 10 Prozent vor. "Aber auch diese heilen bei ansonsten gesunden Erwachsenen mit oder ohne Antibiotikum gleich schnell", ergänzte Kardos.

Behandlungsstrategie der ersten Wahl sollte demnach eine symptomorientierte Therapie unter Berücksichtigung von evidenzbasierten Phytotherapeutika sein, so die übereinstimmende Meinung der Expertenrunde. Und eine Eskalation in Richtung einer spezifischen antibakteriellen Therapie sollte nur erfolgen, wenn dies im Erkrankungsverlauf notwendig werde. Entscheidend für die Identifikation von Risikopatienten ist bei Infektionen der unteren Atemwege stets der klinische Befund. Als "Red Flags" nannte Kardos

starke Beschwerden,

Hypotonie,

deutliche Verschlechterung oder Komplikationen,

schwere Grundleiden (z. B. COPD),

auskultatorische Hinweise auf eine Pneumonie plus Fieber.

Kardos plädierte bei unkomplizierter akuter Bronchitis vermutlich viraler Genese primär für den Einsatz von evidenzbasierten Phytotherapeutika, beispielsweise einer Pflanzenkombination aus Thymian und Efeu (Bronchipret® Saft TE). Das Therapeutikum konnte im Tiermodell die Produktion zähen Schleims bremsen und die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren herunterregulieren.1

In einer placebokontrollierten klinischen Studie verringerte sich die Zeit bis zu einer Halbierung des Hustenscores von acht auf sechs Tage.2 Die belegte Wirksamkeit des Präparates führte zu einer Aufnahme der Extraktkombination in die Leitlinien zur Behandlung des akuten Hustens.3 Seit April 2016 ist die bewährte Thymian-Efeu-Kombination zudem in einer höher konzentrierten Tropfenform erhältlich.

Auch die akute Rhinitis bzw. Rhinosinusitis sind zumindest anfangs zu mehr als 90 Prozent viral bedingt. Eine reine Rhinitis ist in der Regel nach fünf Tagen vorbei. Eine akute virale Rhinosinusitis kann länger dauern. Als "Red Flags" für einen komplizierteren Verlauf nannte Professor Ludger Klimek, HNO-Arzt aus Wiesbaden, unter anderem:

deutliche Verschlechterung im Laufe der Erkrankung,

orbitale oder meningeale Komplikationen,

eitrige Sekretion aus mittlerem Nasengang bei Endoskopie.

In der Therapie haben für Klimek evidenzbasierte Phytopharmaka als symptomorientierte Therapie Priorität. Denn anders als für Nasenduschen oder chemisch-synthetische Sekretolytika gebe es für ausgewählte Phytotherapeutika bei akuter Rhinosinusitis eine gute Evidenz, so der Experte. Günstig bewertete er den 4-fach konzentrierten* Trockenextrakt der 5-Pflanzen-Kombination (Sinupret® extract, BNO 1016). Die darin zahlreich enthaltenen Bioflavonoide steigern die Chloridsekretion der Atemwegsschleimhaut dosisabhängig und verbessern so die mukoziliäre Clearance.4 Der Schleim löst sich, die Nase wird frei, der Druckkopfschmerz nimmt ab: Die Patienten sind zwei Tage früher wieder fit.5

Wenn sich die Beschwerden innerhalb von 5–10 Tagen nicht bessern, sollte eine präzise Befunderhebung erfolgen. Da die Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Superinfektion steigt, sind jetzt auch Antibiotika eine Option.

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