Ärzte Zeitung online, 06.11.2017

Neue Empfehlungen

Wann eine Szintigrafie bei Verdacht auf Lungenembolie ratsam ist

Besteht bei Patienten der Verdacht auf eine Lungenembolie, erfolgt in der Regel eine Computertomografie. Einige Patienten profitieren jedoch eher von einem anderen Verfahren.

Wann eine Szintigrafie bei Verdacht auf Lungenembolie ratsam ist

Thrombus in der Lunge: Schätzungsweise 7000 Menschen sterben jährlich an einer Lungenembolie.

© freshidea / Fotolia

BERLIN. Rund 65.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einer Lungenembolie, schätzungsweise 7000 Betroffene sterben daran. Die notwendige schnelle Diagnose wird allerdings häufig durch die einem Herzinfarkt ähnlichen Symptome – Atemnot und Schmerzen im Brustkorb – erschwert.

Meist wird die Diagnose dann mittels Computertomografie (CT) gestellt. In etlichen Fällen ist jedoch offenbar eine Lungenszintigrafie das besser geeignete bildgebende Verfahren, um den Embolieherd zu detektieren.

Wann genau eine Szintigrafie das geeignetere Verfahren ist, hat jetzt ein internationales Team um Alan Waxman vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles untersucht, wie der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner berichtet (BDN), der die damit verbundenen Empfehlungen begrüßt.

Die US-Experten hatten den Einsatz der Szintigrafie in 21 Szenarien bewertet. Neun Punkte – und damit eine klare Empfehlung – erhielt danach die Szintigrafie zum Beispiel zur Untersuchung von Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Denn für diese Gruppe seien die CT-Kontrastmittel kritisch. Auch Patienten mit einem erhöhten Komplikationsrisiko, etwa wegen einer Jod-Unverträglichkeit, seien Szintigrafie-Kandidaten.

"Bei schwerstkranken Patienten und Intensivpatienten wiederum ist manchmal ein Transport zum CT schlicht nicht möglich", ergänzt der BDN-Vorsitzende Professor Detlef Moka in der Verbandsmitteilung. In diesen Fällen könnten beispielsweise mobile Szintigrafie-Geräte direkt am Bett des Patienten verwendet werden.

Junge Frauen und insbesondere werdende Mütter sollten bei Verdacht auf eine Lungenembolie ebenfalls mittels Szintigrafie untersucht werden. "Die Strahlenbelastung für die Brüste ist bei diesem Verfahren deutlich geringer als bei einer CT", so Moka.

Als weitere Gruppen, für die eine Szintigrafie empfehlenswert ist, werden genannt:

  • Patienten, die schon einmal eine Lungenembolie erlitten haben,
  • Patienten, bei denen das Röntgen des Brustkorbs keine Auffälligkeiten ergab,
  • Patienten, bei denen eine Beinvenenthrombose per Ultraschalluntersuchung nachgewiesen wurde,
  • sowie alle Patienten, bei denen das CT kein eindeutiges Ergebnis geliefert hat. (run)

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    [07.11.2017, 12:41:01]
    Dr. Jürgen Schmidt 
    Fragen über Fragen
    Die Lungenszintigrafie ist eine über 50 Jahre alte Methode.
    Der Nachweis einer LE gelingt abhängig von der Ausdehnung.
    Da die Indikation früher nach dem klinischen Erscheinungsbild gestellt wurde und dies bei den Patienten, die das Ereignis überleben, meist recht typisch ist, war das Ergebnis allenfalls mitentscheidend für die Indikation zu einer Antikoagulation.
    Mit der Gammmakamera nun sah man so viele kleine LE, das man zusätzliche Parameter einbeziehen musste. Das wird heute - unabhängig von der Nachweismethode - nicht anders sein.
    Werdende Mütter mit einem Gammaisotop zu untersuchen, ist trotz kürzester Verweildauer des Isotops fragwürdig, zumal dann, wenn die Plazentagängigkeit nicht hundertprozentig ausgeschlossen ist.
    Interessant wäre eine Vergleichsstudie zwischen Szintigrafie und den anderen bildgebenden Methoden, auch des MRT.
    Letztlich ist der Bericht keine große Entscheidunshilfe zum Beitrag »

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