Ärzte Zeitung online, 21.01.2010

Krankes Auge durch Spinnenhaare

DÜSSELDORF (eb). Der Fall war sehr außergewöhnlich: Ein 29-jähriger Mann kam wegen eines roten, tränenden und lichtempfindlichen Auges ins St. James‘ University Hospital in Leeds in Großbritannien. Nicht etwa eine bakterielle Bindehautentzündung war der Grund der Beschwerden, sondern Spinnenhaare im Auge.

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Wer keine Angst vor Vogelspinnen hat, sollte sich dennoch vor ihren Haaren schützen. © ChristianSchwier.de / fotolia.com

Der Patient hatte das Terrarium seiner Roten Chile-Vogelspinne gereinigt und war dem Tier dabei zu nahe gekommen, berichtet der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Daraufhin schoss die Spinne Haare ab, die ihn in Gesicht und Auge trafen. Die feinen Haare sind mit Widerhaken besetzt, sodass es nahezu unmöglich ist, sie aus dem Gewebe zu entfernen. Nur mit steroidhaltigen Augentropfen, die der junge Mann ein halbes Jahr lang einsetzte, konnte die Entzündung erfolgreich behandelt werden (Lancet 375, 2010, 92). Die Ärzte raten Haltern von Vogelspinnen, beim Umgang mit den Tieren routinemäßig einen Augenschutz zu tragen

Die Rote Chile-Vogelspinne besitzt Brennhaare am Hinterleib. Als Verteidigungsmechanismus gegen mögliche Fressfeinde reibt die Vogelspinne mit den hinteren Beinen gegen den Hinterkörper, um diese Haare in die Umgebung freizusetzen. Mehrere Widerhaken ermöglichen diesen Haaren, Hornhautgewebe und andere Oberflächen zu durchdringen. Die beobachtete entzündliche Reaktion wird als Ophthalmia nodosa oder Entzündung des Augeninneren bezeichnet.

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