Ärzte Zeitung online, 03.03.2010

Bald ohne Brille gegen die Altersweitsichtigkeit?

MÜNCHEN (eb). Ursache der Altersweitsichtigkeit ist die nachlassende Flexibilität der Linse. Eine Lesebrille gleicht das wieder aus. Wiederherstellen lässt sich die eingebüßte Sehkraft aber bislang noch nicht. Ein neues Laserverfahren soll nun die Elastizität der Linse wieder erhöhen.

Bisher ist das neue Laserverfahren noch in der experimentellen Phase, lässt jedoch erstmals auf eine ursächliche Therapie der Altersweitsichtigkeit hoffen. Hauptursache der Presbyopie ist die zunehmende Verhärtung des Linsengewebes. Die Linse kann sich dadurch nicht mehr ausreichend abkugeln, um Gesehenes auf die Mitte der Netzhaut zu projizieren.

"Dadurch rücken jene Objekte, die das Auge gerade noch fokussieren kann, mit steigendem Alter immer weiter in die Ferne", erläutert Professor Holger Lubatschowski vom Laser Zentrum Hannover und Mitglied der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Zwar ermöglichen neben der Lesebrille seit einigen Jahren auch implantierbare Kunstlinsen das Fokussieren auf nahe Gegenstände. Aber die Elastizität der natürlichen Linse ließ sich bislang nicht steigern.

Dies ändert jetzt der Femtosekunden-Laser (fs-Laser). Dessen ultrakurze Pulse nutzen Augenmediziner schon seit Jahren dazu, die Brechkraft der Hornhaut zu verändern. "Bei der neuen fs-Lentotomie schneidet der Laser gezielt feinste dreidimensionale Muster in die Linse", so Lubatschowski. "Die dadurch erzeugten Gleitebenen sollen die Elastizität erhöhen, sodass sich das Auge wieder dynamisch auf nahe Ziele einstellen kann."

Ein Team um Lubatschowski prüfte das Verfahren an mehr als 40 menschlichen Autopsielinsen unterschiedlichen Alters. Bei zwei Drittel der Linsen stieg die Flexibilität, bei fast der Hälfte sogar um über 30 Prozent (Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 226, 2009, 984).

Zunächst waren unmittelbar nach dem Eingriff sowohl die vom Laser erzeugten Gasbläschen als auch die Schnittmuster im Linsengewebe sichtbar. Aber die Bläschen verschwanden binnen Stunden vollständig. Im Tiermodell am Kaninchen blichen die Schnittstrukturen während der folgenden Monate weitgehend aus. Bis das Verfahren zum Einsatz kommen kann, sind noch umfassende Studien nötig.

Zum Abstract der Originalpublikation "fs-Lentotomy: presbyopia reversal by generating gliding planes inside the crystalline lens"

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