Ärzte Zeitung online, 21.10.2010

Neue Verfahren gegen Ursachen von Blindheit

Augenchirurgen tagen in Hamburg / 5000 Teilnehmer werden erwartet

HAMBURG/FÜRTH (dpa). Radioaktive Strahlen, ein bewährtes Medikament in neuer Form und eine künstliche Hornhaut sollen bald Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen der Augen helfen.

"Wir stellen einige große Innovationen auf dem Kongress der Augenchirurgen in Hamburg vor", sagte Kongresspräsident Professor Armin Scharrer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa vor Beginn der Fachtagung. Von heute (Donnerstag) bis Sonntag treffen sich dazu rund 5000 Teilnehmer aus aller Welt im Congress Centrum Hamburg.

Seit Sommer dieses Jahres sei etwa ein Mikro-Implantat in Deutschland zugelassen, das Menschen mit einer Augenvenenthrombose helfen soll, sagte Scharrer. Bei dieser Erkrankung verschließt sich durch ein Gerinnsel eine Netzhautvene. Es kommt zu einer Entzündung, die das Sehvermögen bis zur Erblindung beeinträchtigen kann. Risikofaktoren für diese Erkrankung sind Diabetes, Bluthochdruck und Rauchen.

"Da das Gerinnsel nicht entfernt oder aufgelöst werden kann, muss die Entzündung behandelt werden", sagte Scharrer. Das neuartige Präparat enthalte eine Kortisonart in einem Mini-Kissen, das in das Auge gespritzt werde. Die Wirkung halte bis zu einem halben Jahr an. Bislang habe man etwa alle vier Wochen Medikamente in das Auge injizieren müssen. Schätzungsweise 300 000 Menschen in Deutschland könnten betroffen sein.

Erstmals künstliche Hornhaut implantiert

Zur besseren Behandlung für Patienten mit Schäden des hauchdünnen Häutchens am äußeren Auge setzt Augenchirurg Scharrer auf die Entwicklung einer künstlichen Hornhaut. Ende August hatten schwedische und kanadische Wissenschaftler davon in einem US-Fachjournal berichtet. "Sie haben aus menschlichen Bindegewebsfasern eine künstliche Hornhaut gezüchtet und diese bei zehn Patienten erprobt", sagte Scharrer.

Patienten mit Hornhautverletzungen etwa durch eine Entzündung können im Extremfall blind werden. In der Regel werden dann menschliche Hornhäute von toten Organspendern eingepflanzt. "Dies hat aber den Nachteil, dass das Immunsystem des Patienten die Hornhaut eventuell angreift und sie dadurch abgestoßen wird", sagte Scharrer. Bei der nun vorgestellten Studie sei dies nicht der Fall gewesen. "Allerdings sahen nur sechs von zehn Patienten wirklich besser, zwei sogar eher schlechter. Doch die Technik ist sehr vielversprechend."

Bald mit radioaktiven Stiften gegen Makuladegeneration?

Auch für Menschen mit Altersblindheit halten die Augenchirurgen Neuerungen parat. Bei der Altersblindheit ist der Punkt des schärfsten Sehens an der Augennetzhaut, die Makula, geschädigt. "Entweder lagern sich Stoffwechselprodukte in der Netzhaut an, oder kleine, undichte Blutgefäße, die dort nicht hingehören, wachsen hinein."

Dadurch sehen die Patienten einen dunklen Fleck und können somit nur Umrisse erkennen. Neue Medikamente aus Antikörpern, die auch seit einigen Jahren in Deutschland zugelassen sind, hätten große Fortschritte gebracht in der Behandlung, müssten aber sechs bis zwölfmal im Jahr gespritzt werden.

Nun solle auch in Deutschland eine Art Stift erprobt werden, der die störenden Gefäße an der Makula mit radioaktiven Strahlen zerstört. Eine Studie mit knapp 500 Patienten habe gezeigt, dass ein großer Teil der Patienten nach der Behandlung mit diesem Strahlenstift besser sehen konnte und etwa 18 Monate keine Antikörper mehr brauchte. "Allerdings ist der Eingriff mit dem Strahlenstift recht aufwändig und kann nur an spezialisierten Zentren durchgeführt werden", sagte Scharrer.

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