Ärzte Zeitung online, 30.12.2010

Schneeflocken im Auge: Noch ist unklar, warum Keime sich so anordnen

FREIBURG (mal). "Schneeflocken im Auge", eine schneeflockenartige Trübung der Hornhaut: Dieser Befund ist leicht zu beschreiben - schwerer ist es, sofort parat zu haben, was die Diagnose "ICK" bedeutet. Ophthalmologen wissen Bescheid: Es handelt sich um Patienten mit infektiöser kristalliner Keratopathie (ICK).

Schneeflocken im Auge: Noch ist unklar, warum Keime sich so anordnen

Typischer Befund bei schneeflockenartiger Keratitis.

© L. Bredow, Uniklinik Freiburg; Quelle: Springer Medizin Heidelberg

Von zwei Kasuistiken solcher Patienten berichten jetzt Dr. Laura Bredow und Kollegen von der Universitäts-Augenklinik Freiburg (Der Ophthalmologe 2010, 11: 1068).

Bei einem von beiden, einem 80-jährigen Patienten, sei nach einer perforierenden Hornhautverletzung eine perforierende Keratoplastik erfolgt. Danach wurde eine intermittierende systemische und prolongierte lokale Steroidtherapie nötig, als es zu mehreren Abstoßungsepisoden kam. Das Hornhautödem persistierte jedoch weiter, die Sehschärfe nahm weiter ab. Zwei Jahre nach dem Eingriff stellte sich der Patient mit dem Bild einer schneeflockenartigen Keratitis vor. Keime hätten mit dem üblichen Bindehautabstrich nicht isoliert werden können, so Bredow und ihre Kollegen. Es sei dann eine Re-Keratoplastik vorgenommen worden, da man keine Hoffnung hatte, dass sich das chronisch geschädigte und nun infizierte Transplantat erholen würde. Ein Rezidiv trat danach nicht auf.

Bei der lichtmikroskopischen Untersuchung des Explantats seien im vorderen Hornhautstroma Bakterienhaufen gram-positiver Kokken aufgefallen. Es seien keinerlei entzündliche Reaktionen des an die Bakterien angrenzenden Gewebes sichtbar gewesen. Elektronenmikroskopisch seien ein- bis dreikammerige Bakterienansammlungen aufgefallen.

Die Freiburger Kollegen stellten die Diagnose einer infektiösen kristallinen Keratopathie (ICK). Diese Erkrankung trete bevorzugt in Hornhaut-Transplantaten auf, besonders nach lang anhaltender Steroidtherapie. Typisch seien die makroskopisch kristallähnlichen Trübungen meist im vorderen Stroma, die an Farne oder Schneeflocken erinnern können. Das Epithel sei häufig intakt, so die Freiburger Kollegen. Das Besondere an der ICK sei, dass es zu einer Keimvermehrung mit Ausbildung entsprechender Trübungen der Hornhaut kommt, eine begleitende entzündliche Reaktion aber praktisch fehlt.

Die ICK wird meist durch Streptococcus viridans verursacht, wie Bredow und ihre Kollegen berichten. Der Keimnachweis gelingt jedoch häufig nicht, und die antibiotische Therapie ist meist langwierig oder erfolglos. Noch nicht vollständig geklärt ist, aus welchem Grund es zu der besonderen Anordnung der Bakterien kommt und weshalb eine stärkere Immunreaktion ausbleibt.

Da auch eine intensive antibiotische Therapie bei ICK trotz Absetzen der Steroide meist langwierig und häufig erfolglos sei, bleibe oft nur eine (Re-)Keratoplastik, um das Sehvermögen der Patienten zu rehabilitieren.

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