Ärzte Zeitung App, 09.09.2014

Augen

Kurzsichtigkeit wächst mit dem Bildungsgrad

Wer länger lernt, braucht eine stärkere Brille - so das Fazit einer Studie von Forschern aus Mainz.

MAINZ. Ein hoher Bildungsgrad und viele Schuljahre gehen mit häufigerer und stärkerer Kurzsichtigkeit einher, berichten Wissenschaftler aus Mainz (Ophthalmology 2014, online 14. Juni).

Mögliche Ursachen seien Lesen, der Blick auf den Computer und ein Mangel an Tageslicht, teilt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) mit. Sie rät Schülern und Studenten deshalb zu Lernpausen für die Augen und regelmäßigem Aufenthalt im Freien.

Die Forscher untersuchten in der Gutenberg-Gesundheitsstudie die Sehstärke von 4658 Menschen von 35 bis 74 Jahren. Mehr als die Hälfte der Hochschulabsolventen waren kurzsichtig, bei den Probanden ohne höhere Schulbildung nur jeder Vierte. Ursache sei vermutlich die Naharbeit, so die Autoren.

Studien zufolge tragen stundenlanges Lesen, Fernsehen und Arbeiten am Computer zur Verschlechterung des Sehvermögens bei.

Myopie: Erblich oder nicht?

Die Zahl der Kurzsichtigen hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte erheblich erhöht: In den Industrienationen ist mindestens ein Drittel der Bevölkerung kurzsichtig, in manchen Großstädten Asiens sogar fast 90 Prozent.

Dass Myopie überwiegend erblich ist, bestätigen auch die aktuellen Ergebnisse nicht: Die rapide Zunahme der Myopie, vor allem in Asien, lässt sich nicht mit genetischen Faktoren erklären.

Die Mainzer Forscher haben 45 genetische Faktoren getestet, aber im Vergleich zum Bildungsstand hatten sie einen viel geringeren Einfluss. Vieles spreche dafür, dass Umwelteinflüsse die Entstehung der Kurzsichtigkeit begünstigen.

Nach Studien sind Bildung, Beruf und Freizeitgestaltung entscheidend: Schüler, die viel Zeit im Freien verbringen, sind seltener kurzsichtig als Stubenhocker. Helles Tageslicht scheint sich regulierend auf das Wachstum der Augen auszuwirken, wird vermutet.

Alle Versuche, das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit mit Brillen oder Medikamenten zu heilen oder aufzuhalten, zeigen bislang keinen Erfolg. (eb)

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