Ärzte Zeitung, 02.07.2015

Ophthalmologie

Mikropumpe stabilisiert Druck im Auge

Ein implantierbares Mikrofluidsystem soll Patienten mit Glaukom oder Phthise helfen.

MÜNCHEN. Forscher der Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien EMFT arbeiten an einem neuen Therapieansatz bei Glaukom und Phthise, also dem Schrumpfen des Augapfels durch zu wenig Kammerwasser.

Im Projekt MIKROAUG, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm KMU Innovativ gefördert wird, entwickeln sie zusammen mit mehreren mittelständischen Unternehmen ein aktives Implantat, das den Augendruck dauerhaft regulieren soll, heißt es in einer Mitteilung des Fraunhofer Instituts.

Das Implantat bestehe aus einem Mikropumpensystem, einer sensorbasierten Pumpensteuerung, einem integrierten Akku zur kontaktlosen Energieversorgung sowie einem Telemetriemodul zur Datenübertragung.

Es lasse sich direkt auf dem Augapfel aufbringen. "Das Implantat soll der Patient natürlich nicht spüren und auch die Augenbewegung darf nicht eingeschränkt werden", wird Christoph Jenke, Projektleiter an der EMFT, zitiert.

Die Systemkomponenten mussten daher miniaturisiert werden. Mit einer Größe von nur 7 3 7 3 1 Kubikmillimeter haben die Forscher eine winzige, biokompatible Silizium-Mikromembranpumpe mit einer Förderrate von maximal 30 Mikroliter pro Sekunde entwickelt.

Je nach Krankheitsbild könne sie das Auge benetzen oder Kammerwasser abpumpen. Die Experten nutzen dabei die natürlichen Abflusswege im Auge, so dass es zu keinen Vernarbungen durch Operationen kommt.

In regelmäßigen Überwachungszyklen kann der behandelnde Arzt nach einer konventionellen Augendruckmessung ambulant die Flüssigkeitsmenge auf den gewünschten Wert einstellen, heißt es in der Mitteilung des Instituts. Langfristig solle das System mit einem implantierbaren Sensor kombiniert und automatisch geregelt werden.

Der neue Therapieansatz sei nicht nur schonender, sondern bietet weitere Vorteile: So lasse sich der Augendruck wesentlich exakter einstellen als bei medikamentösen Behandlungen oder Operationen. (eb)

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