Ärzte Zeitung, 27.07.2016
 

Falscher Alarm

"Blind" durch Smartphone im Bett

Britische Ärzte weisen auf ein eigentlich normales Phänomen hin, um teuren Untersuchungen vorzubeugen und um Patienten zu beruhigen.

LONDON. Werden Smartphones im Bett benutzt, kann das eine vorübergehende "Blindheit" verursachen, berichten Forscher von City University London, Moorfields Eye Hospital, King's College London und National Hospital für Neurologie und Neurochirurgie (NEJM 2016; 374:2502-2504). Obwohl die Erfahrung völlig harmlos sei, möchten die Autoren vor allem Ärzte auf das Phänomen hinweisen, um teuren Untersuchungen vorzubeugen, aber auch, um Patienten zu beruhigen, teilt die der City University London angeschlossene Cass Business School mit.

Die Forscher beschreiben in ihrer Veröffentlichung die Kasuistiken von zwei Frauen, die Sehstörungen auf einem Auge hatten. Das Team fand heraus, dass, wenn die Patientinnen ihr Smartphone im Bett betrachteten, die beobachteten Symptome auf die Adaption ihrer Augen an das entsandte Licht des Gerätes zurückzuführen sind. Während sich das betrachtende Auge an das Licht anpasst, passt sich das durch das Kissen bedeckte Auge an die Dunkelheit an.

Die Folge: Wenn beide Augen in der Dunkelheit geöffnet werden, wird das lichtadaptierte Auge als "blind" empfunden. Dieser Effekt ist bekannt als differenzielles Bleichen der Fotopigmente und dauert ein paar Minuten, heißt es in der Mitteilung.

Obwohl dieser Effekt nicht auf Smartphone-Nutzung beschränkt sei, werde er aufgrund der weiten Verbreitung solcher Geräte immer häufiger beobachtet, so die britischen Wissenschaftler. Die beschriebene Reaktion der Augen wurde auch schon in der Vergangenheit beobachtet. In der Neuroophthalmologie ist ein ähnliches Phänomen bekannt: die "Carsongenische Blindheit", benannt nach der Johnny Carson Show, entsteht aufgrund der Gewohnheit mit einem geschlossenen Auge im Bett fernzusehen. Der gleiche Effekt wird vor allem dann festgestellt, wenn Patienten mit Grauem Star, bei denen nur von einem Auge das Zentrum der Linse betroffen ist, helle Lichtquellen mit beiden Augen betrachten - also nicht nur bei Smartphones. Das differenzielle Bleichen von Fotopigmenten bewirkt in beiden Augen einen relativen Verlust des Sehvermögens, sobald der Blick in Richtung dunklere Bereiche gewendet wird, wobei das nicht getrübte Auge den größeren Verlust an Lichtempfindlichkeit zeigt. "Unsere Fälle zeigen, dass eine genaue Befragung des Patienten sowie Verständnis der Physiologie der Netzhaut, Arzt und Patient helfen können und so unnötige Angst und teure Untersuchungen vermieden werden können", wird John Barbur, Professor für "Optics & Visual Science" an der City University London und Co-Autor der Veröffentlichung, zitiert. (mal)

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