Ärzte Zeitung online, 07.06.2017

Hornhautspende

Ophthalmologen fordern bessere Aufklärung

MÜNCHEN. Bundesweit warten mehr als 5000 Patienten auf ein Kornea-Transplantant. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft ruft in einer Mitteilung dazu auf, potenzielle Organ- und Gewebespender häufiger auch auf die Möglichkeit der Hornhautspende hinzuweisen. "Prinzipiell kommt fast jeder Verstorbene – egal ob er Brillenträger war oder an einer Erkrankung litt – als Spender infrage", wird Professor Claus Cursiefen vom Zentrum für Augenheilkunde des Uniklinikums Köln zitiert. Ausnahmen bildeten etwa Menschen, die eine Viruserkrankung wie AIDS oder Hepatitis haben.

Hornhäute, die sich nicht zur Spende eignen, können – wenn dafür ein Einverständnis des Spenders vorliegt – in wissenschaftlichen Studien verwendet werden, damit Augenkrankheiten in Zukunft wirkungsvoller behandelt werden können.

"Unser wichtigstes Anliegen ist, die Bedeutung der Hornhauttransplantation für unsere Patienten hervorzuheben und ihren Stellenwert im Gesundheitssystem zu sichern" betont der DOG-Generalsekretär Professor Thomas Reinhard in der Mitteilung. Dies solle auch dabei helfen, mehr Menschen für eine Hornhautspende zu gewinnen. Viele potenzielle Organspender würden die Möglichkeit der Hornhautspende nicht kennen und Ärzte wiesen zu selten darauf hin, so Reinhard.

Nach §1a des Transplantationsgesetzes entspricht die Gewebetransplantationen einer vollwertigen Transplantation. Dies betont die DOG in einer Stellungnahme. "Auch wenn es bei der Hornhauttransplantation nicht um Leben oder Tod geht, wie bei Patienten, die auf eine Niere oder Leber warten, ermöglicht uns dieser Eingriff, Patienten ihr Augenlicht und damit ein erhebliches Stück Lebensqualität zurückzugeben", so Professor Berthold Seitz vom Universitätsklinikum des Saarlands Homburg. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Ärzte gehen auf Gegenkurs zu Schokoriegel und Cola

Pädiater sind alarmiert: Adipositas bei Kindern wird zunehmend zu einem sozialen Problem. Jetzt setzen sie ihre eigene Agenda und gehen auf Distanz zur Ernährungsindustrie. mehr »

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt ältere Menschen nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Dieses überraschende Ergebnis offenbart die ASPREE-Studie. mehr »

Doktor THC und Mister Cannabidiol

Cannabis steht im Verdacht, Psychosen durch den Wirkstoff THC auszulösen. Die Pflanze enthält aber auch antipsychotische Substanzen, die die Hirnfunktion in kritischen Bereichen normalisiert. mehr »