Ärzte Zeitung, 14.05.2004

Kardiovaskuläre Risikofaktoren begünstigen auch Morbus Alzheimer

Mechanismus noch unklar / Gemeinsame genetische Grundlagen werden diskutiert

MANNHEIM (gvg). Kardiovaskuläre Risikofaktoren begünstigen nicht nur die Entstehung einer vaskulären Demenz, sondern auch für die Entstehung einer Alzheimer-Demenz, meint der österreichische Demenz-Spezialist Dr. Reinhold Schmidt.

"Die epidemiologischen Daten dafür sind mittlerweile ziemlich robust", sagte der Neurologe von der Medizinischen Universität Graz auf dem Europäischen Schlaganfallkongreß in Mannheim. So erhöhe eine Atherosklerose oder ein arterieller Hypertonus das Risiko, eine Alzheimer-Demenz zu entwickeln, etwa um das dreifache im Vergleich zur Normalbevölkerung.

"Auch der in den letzten Jahren als kardiovaskulärer Risikofaktor ins Spiel gebrachte erhöhte CRP-Level korreliert mit der Entstehung eines Morbus Alzheimer, genauso wie ein erhöhter Cholesterin- oder Homozysteingehalt im Blut".

In Studien ließen sich gehäuft Alzheimer-typische Veränderungen im Gehirn von Hypertonikern nachweisen, so der Neurologe. Plausible Erklärungsansätze für den Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren und Alzheimer-Demenz sind für ihn gemeinsame genetische Grundlagen.

So gingen bestimmte Genvarianten des Lipoproteins Apo E mit erhöhten Cholesterinwerten im Blut einher, seien aber gleichzeitig auch auffällig häufig mit einem Morbus Alzheimer vergesellschaftet. Ähnliches gelte für bestimmte Mutationen im Gen für das angiotensinumwandelnde Enzym ACE.

Wegen dieser Zusammenhänge drängte Schmidt in Mannheim seine Kollegen, in großen Präventionsstudien künftig immer auch die kognitiven Fähigkeiten als primären oder sekundären Endpunkt mit einzubeziehen. Denn nur so könne man sehen, inwieweit die Modulierung eines Risikofaktors sich auch auf das Risiko für eine Demenz auswirke und daraus gegebenenfalls Präventivstrategien ableiten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »