Ärzte Zeitung, 15.12.2004

Demenz: Galantamin verzögert Heim-Einweisung

Nach dreijähriger Therapie mit dem Cholinesterasehemmer leben noch 86 Prozent der Alzheimer-Patienten zu Hause

MONTREAL (mal). Die Ergebnisse einer neuen Studie - in diesem Fall mit Galantamin - bestätigen, daß eine Therapie mit einem Cholinesterasehemmer bei Alzheimer-Patienten die Einweisung ins Pflegeheim verzögern kann.

Für die Studie haben Forscher um Howard Feldmann von der University of British Columbia in Vancouver in Kanada die Daten von Patienten analysiert, die zunächst an einer von zwei Placebo-kontrollierten Studien teilgenommen hatten.

Im Anschluß daran wurden die Studien offen fortgesetzt; alle darin fortgeführten 327 Patienten, also auch diejenigen, die zuvor Placebo bekommen hatten, nahmen dann täglich 24 mg Galantamin ein. Galantamin - in Deutschland erhältlich als Reminyl® - wirkt dabei nicht nur als Cholinesterasehemmer, sondern potenziert auch die Wirkung des Neurotransmitters durch einen zusätzlichen Effekt auf nikotinerge Acetylcholin-Rezeptoren. Ihre Studienresultate haben Feldmann und seine Kollegen auf einem Poster bei einem Alzheimer-Kongreß in Montreal präsentiert haben.

Nach insgesamt dreijähriger Beobachtungszeit lebten noch 86 Prozent der Alzheimer-Patienten, die kontinuierlich Galantamin erhalten hatten, zu Hause, beziehungsweise 82 Prozent der Patienten, bei denen erst nach initialer Placebo-Therapie die Behandlung mit Galantamin begonnen worden war.

Im Vergleich dazu wurden nach drei Jahren nur noch etwa 60 Prozent der unbehandelten Alzheimer-Patienten einer Kontrollgruppe zuhause betreut. Die Daten dieser Kontrollgruppe stammten dabei aus einer Datenbank, in der von 784 Alzheimer-Patienten zehn Jahre lang Informationen zum Krankheitsverlauf gesammelt worden waren.

Nach den vorliegenden Daten werde der Zeitpunkt einer dauerhaften Einweisung ins Pflegeheim durch eine Galantamin-Therapie um fast zwei Jahre verzögert, so die Forscher.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »