Ärzte Zeitung, 10.05.2005

Weiter Hoffnung auf Alzheimer-Impfstoff

Neurologen entdecken Hinweise dafür, daß Patienten mit Immunreaktionen vom Impfen profitieren

ANN ARBOR (ple). Trotz des Abbruchs der ersten Placebo-kontrollierten Studie zur Alzheimer-Impfung vor etwa drei Jahren geben US-Forscher den Glauben an die Wirksamkeit eines solchen Impfstoffs nicht auf. Die Datenanalyse ergab, daß sich bei jenen Patienten, bei denen sich Antikörper durch die Impfung gebildet haben, die kognitiven Leistungen zumindest nicht verschlechtert haben.

Die erste Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie mit einem Impfstoff gegen das krankmachende Beta-Amyloid ist, wie berichtet, abgebrochen worden, weil einige Patienten eine Meningoenzephalitis entwickelt hatten. Alle Patienten wurden aber knapp ein Jahr lang nachbeobachtet, um den bisherigen Impf-Effekt zu bewerten.

Wie Dr. Sid Gilman von der Universität von Michigan in Ann Arbor heute berichtet, entwickelten 59 von 300 Geimpften Antikörper gegen den Impfstoff (Neurology 64, 2005, 1553 und 1563).

Im Vergleich zur Placebo-Gruppe schnitten die Geimpften, die Antikörper entwickelten, in einem kognitiven Test, bei dem auch visuelles, sprachliches und auditorisches Erinnerungsvermögen überprüft wurde, besser ab: Bei ihnen hatten sich die kognitiven Leistungen zumindest nicht verschlechtert. Zudem gibt es Hinweise, daß krankmachendes Beta-Amyloid im Gehirn abgebaut wurde.

Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie ergaben weiterhin, daß sich bei jenen Geimpften, bei denen sich Antikörper gegen Beta-Amyloid gebildet hatte, das Gehirnvolumen stärker verringert hatte als bei Studienteilnehmern mit Placebo. Weil diese Abnahme mit einem positiven Effekt auf die kognitive Leistungsfähigkeit einherging, vermuten die US-Forscher als ihre Ursache unter anderem die Amyloidentfernung.

Derzeit wird eine Studie vorbereitet, in der nicht mehr mit Amyloid geimpft wird, sondern passiv mit Antikörpern gegen das krankmachende Eiweißmolekül. Die Neurologen erhoffen sich dadurch, die Gefahr einer Meningoenzephalitis auszuschließen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kluge Entscheidung bei Alzheimer-Studie

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