Ärzte Zeitung, 28.11.2005

Antidementivum verzögert Symptomprogression um 18 Monate

Galantamin verbesserte in einer Studie die kognitive Leitungsfähigkeit bei einem Fünftel der Demenz-Patienten / Studie mit fast 160 Erkrankten

BERLIN (ugr). Eine Langzeittherapie mit Galantamin hat bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit, Verhaltensauffälligkeiten und auf Aktivitäten des täglichen Lebens. Das hat jetzt eine Zwei-Jahres-Studie mit dem Cholinesterasehemmers ergeben.

"Die Alltagskompetenz der meisten Patienten hat sich während des Behandlungszeitraums nicht verschlechtert. Meist konnte ein Fortschreiten der Erkrankung aufgehalten werden."

Das berichtete Professor Klaus Hager vom Krankenhaus Henriettenstiftung in Hannover bei einer von Janssen-Cilag unterstützten Veranstaltung beim Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin.

In der multizentrischen offenen, prospektiven Studie wurden Daten von 159 Patienten ausgewertet, die mit Galantamin (Reminyl®) in einer Tagesdosis von 8 bis 24 mg behandelt wurden. Die kognitiven Leistungen lagen zu Beginn auf der ADAS-cog-Skala (Alzheimer‘s disease assessment scale) im Mittel bei 23 Punkten. Die Skala reicht von Null bis 70 Punkte (schlechtestes Ergebnis).

Bei Studienende hatte sich die kognitive Leistungsfähigkeit bei 21 Prozent der Patienten etwas bis viel gebessert (Veränderung um teilweise mehr als 12 ADAS-cog-Punkte); bei annähernd zwei Dritteln kam es zu keiner oder nur einer geringen Verschlechterung um bis zu sechs Punkte. Hager: "Nur zwölf Prozent der Patienten zeigten eine Verschlechterung von zwölf Punkten und mehr, was in etwa mit dem Verlauf bei unbehandelten Patienten vergleichbar ist."

Die Alltagskompetenz der Patienten verringerte sich während der 24monatigen Therapie nur um einen Punkt auf der B-ADL-Skala (Activities of daily living). Demenz-assoziierte Verhaltensstörungen verringerten sich zunächst sogar und konnten bis zum 18. Monat nach Therapiebeginn stabilisiert werden, bevor es zu einer leichten Verschlechterung kam.

"Insgesamt haben wir eine Progressionsverzögerung über mindestens 18 Monate unter Galantamin beobachtet", so Hager. Er betonte, daß bereits die Stabilisierung oder Verlangsamung der Symptomprogression wichtige eigenständige Therapieziele bei Demenz sind. "Eine solche Verzögerung der Verschlechterung kann etwa eine Heimeinweisung über Monate bis Jahre verschieben."

Die Therapie mit Galantamin, das seit Jahresbeginn auch in Retardform zur einmal täglichen Anwendung verfügbar ist, ist nach Angaben Hagers allgemeinen gut verträglich.

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