Ärzte Zeitung, 20.04.2007

KOMMENTAR

Hoffnung auf frühe Alzheimer-Therapie

Von Thomas Müller

Alzheimer-Kranke kann man nicht heilen. Nicht heute, und ziemlich sicher auch nicht in ferner Zukunft. Denn wenn die Diagnose Alzheimer gestellt wird, hat das Gehirn bereits irreversibel Schaden genommen, und selbst eine noch so ausgetüftelte Stammzelltherapie dürfte in Zukunft kaum in der Lage sein, die individuell einzigartige Hirnarchitektur zu rekonstruieren. Dafür ist das menschliche Gehirn einfach zu komplex.

Ärzte stehen daher vor dem Problem, dass sie den vorhandenen Schaden nicht reparieren können. Das einzige, was sie künftig vielleicht tun können, ist, den Krankheitsverlauf zu stoppen. Doch selbst davon kann man heute nur träumen - die verfügbaren Arzneien können nur die Progression etwas bremsen.

Besser wäre also, wenn man eingreifen könnte, bevor der Schaden groß ist. Dazu ist eine möglichst frühe Diagnose nötig, und hier lassen nun US-Forscher aufhorchen: Sie können per MRT bereits vier Jahre vor den ersten kognitiven Symptomen den Beginn einer Demenz feststellen. Die Hoffnung liegt nahe, dass solche Menschen wesentlich mehr von einer Therapie profitieren als Patienten mit manifester Demenz. Dies muss nun in Studien geprüft werden. Vielleicht würde auch eine Impfung gegen Beta-Amyloid, wie sie derzeit untersucht wird, bei klinisch unauffälligen Patienten mehr nutzen.

Man kann Alzheimer-Kranke zwar nicht heilen - aber vielleicht lässt sich die Krankheit eines Tages verhindern.

Lesen Sie dazu auch:
MRT weist früh beginnende Demenz nach

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