Ärzte Zeitung, 24.09.2007

60 Millionen Euro für Demenzkranke

Bund richtet bis 2009 ein Forschungszentrum ein / Pflegeverband für neue Pflegestufe

BERLIN (dpa). Im Kampf gegen den erwarteten drastischen Anstieg von neurodegenerativen Krankheiten im Alter will die Bundesregierung die Demenz-Forschung mit bis zu 60 Millionen Euro pro Jahr fördern.

Geschaffen werden soll ein nationales Forschungszentrum, dem zehn bereits bestehende Einrichtungen angegliedert werden, kündigte Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) am Freitag in Berlin an.

Das Forschungszentrum soll bis Anfang 2009 eingerichtet werden. Die Entscheidung über den Standort soll erst nach einer Ausschreibung fallen. Schavan sprach von einem "großen Aufgabenfeld", auf dem die eigentliche Entwicklung "noch vor uns" liege. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Demenzkranken in Deutschland nach Regierungserwartungen von heute mehr als einer Millionen um 500 000 steigen.

Das in die Helmholtz-Gemeinschaft eingebundene Zentrum soll "ein Brückenschlag zwischen biomedizinischer Grundlagenforschung und Praxis" sein. Über die verschiedenen Felder hinweg soll es die Erforschung von Krankheitsursachen, Vorbeugung, Therapien und psychosozialen Folgen zusammenführen.

Der Freiburger Volkswirtschaftsprofessor Bernd Raffelhüschen sagte indessen der "Welt", die Einnahmen der Pflegeversicherung würden "nicht annähernd ausreichen, um die Kosten der künftig mitversicherten Dementen zu tragen". Die Leistungen für Demenz- oder Alzheimer-Kranke sollen mit der geplanten Pflegereform auf bis zu 2400 Euro neben den in Pflegestufen eingeteilten Leistungen anwachsen. Der Sozialverband VdK forderte dagegen, die Definition von Pflegebedürftigkeit müsse durch die Schaffung einer neuen "Pflegestufe Null" künftig demenzielle Erkrankungen direkt einbeziehen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »