Ärzte Zeitung, 02.05.2008

Demenz-Diagnostik: zweiter Schritt CT oder MRT

40 Prozent der Demenz-Patienten haben keinen M. Alzheimer / Normaldruck-Hydrozephalus kann Ursache sein

BERLIN (gvg). Jeder Patient mit Demenz-Symptomen sollte zumindest einmal in diesem Zusammenhang eine bildgebende Untersuchung des Kopfs erhalten. Das fordern Radiologen aus Anlass des 89. Deutschen Röntgenkongresses, der zur Zeit in Berlin stattfindet.

CT-Bilder bei Normaldruck-Hydrozephalus. Die Liquorräume sind geweitet, aber es gibt keine Hirndruckzeichen. Fotos (2): Wüllner

"Eine Bildgebung des Kopfes ist natürlich nicht der erste Schritt bei der Demenz-Diagnostik, aber auf jeden Fall der zweite", sagte Professor Michael Forsting vom Institut für Radiologie am Universitätsklinikum Essen. Etwa 4 von 10 Patienten mit Demenz-Symptomen hätten keine Alzheimer-Demenz, sondern eine Demenz anderer Ursache. Zumindest bei einem Teil dieser Patienten ist eine kausale Therapie möglich.

Forsting nannte vor allem zwei Demenz-Varianten: "Patienten mit Normaldruck-Hydrozephalus haben typischerweise außer der Demenz-Symptomatik noch Gangstörungen und Inkontinenzprobleme", so Forsting. Mit CT oder MRT sind bei diesen Patienten sehr charakteristische, aufgeblähte Liquorräume zu sehen.

"Hier kann die Demenz durch einen einfachen Ventrikel-Shunt aufgehalten werden", so der Radiologe. Gangstörungen und Inkontinenz verschwinden danach. "Der Eingriff ist minimal invasiv, die Patienten sind nach wenigen Tagen wieder zu Hause." Die zweite Demenz-Ursache, die nur radiologisch definitiv zu klären ist, sind subdurale Hämatome. Hier entwickeln sich die Symptome relativ rasch. "Typisch ist, dass Angehörige berichten, Opa sei seit kurzem etwas tüdelig geworden", so Forsting. Im Schnittbild sind dann nicht selten beidseitige Hämatome zu sehen. Auch hier könnten die Symptome wieder rückgängig gemacht werden, wenn die Hämatome abgesaugt werden, so Forsting.

Hilfreich könne ein bildgebendes Verfahren auch bei vaskulärer Demenz in Folge eines arteriellen Hypertonus sein. Zwar gibt es hier keine neurochirurgische Therapie. Aber zumindest die Compliance der Hypertonie-Patienten könne durch eine Bildgebung, bei der feine weiße Narben zu sehen sind, sehr positiv beeinflusst werden, so Forsting. "Wer sieht, dass das eigene Gehirn bereits Schaden leidet, ist sehr viel eher bereit, seine Tabletten auch einzunehmen, als jemand, dem nur erzählt wird, was theoretisch alles passieren kann", ist sich Forsting sicher.

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