Ärzte Zeitung, 25.07.2008

KOMMENTAR

Neue Hoffnung mit altem Medikament

Von Thomas Müller

Gegen hirnzersetzende Krankheiten wie Alzheimer sind Ärzte noch immer machtlos. Einmal in Gang gekommen, lässt sich der zerstörerische Prozess nicht mehr aufhalten. Arzneien wie Cholinesterase-Hemmer und Memantine können den geistigen Verfall immerhin etwas bremsen, ein Mittel, das ihn stoppt, ist aber nicht in Sicht.

Vor kurzem erst wurde ein Phase-III-Studie mit dem NSAR-Derivat Tarenflurbil abgebrochen - offenbar aufgrund mangelnder Wirksamkeit. Das Mittel sollte eines der ersten sein, die in die Pathogenese eingreifen.

Und ob eine Impfung gegen Beta-Amyloid etwas bringt, ist weiterhin fraglich. Post-mortem-Analysen einer Impfstudie zeigten, dass sich mit der Vakzine bei einigen Patienten die Plaques im Hirn zwar komplett entfernen ließen, allerdings hatte dies keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Hoffnung auf ein neues Alzheimer-Mittel kommt dagegen ganz überraschend von dem alten russischen Antihistaminikum Dimebon. In einer Studie ließ sich damit der Krankheitsverlauf ein Jahr lang aufhalten. Es schien mindestens so gut zu wirken wie bisherige Antidementiva, wenn nicht besser. Interessant macht das Mittel auch, dass es offenbar über einen anderen Wirkmechanismus verfügt als bisherige Alzheimer-Mittel - es ließe sich mit diesen eventuell kombinieren.

Man sollte die Hoffnungen aber nicht allzu hoch schrauben. Jetzt müssen erst größere Studien zeigen, wie gut Dimebon tatsächlich ist.

Lesen Sie dazu auch:
Antihistaminikum bremst Alzheimer

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Weniger Kardiologen = mehr Herztote?

In Bundesländern mit weniger niedergelassenen Kardiologen sterben mehr Patienten an Herzerkrankungen, so der aktuelle Herzbericht. mehr »

Fehlerquelle Datenschutzerklärung

Die meisten Praxis-Websites von Haus- und Fachärzten erfüllen nicht die gesetzlichen Anforderungen. Das legt eine aktuelle Studie nah. mehr »

Nach einem Hörsturz ist das Schlaganfallrisiko erhöht

Nach einem Hörsturz haben Patienten ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. In einer südkoreanischen Studie war dies kontinuierlich über einen elfjährigen Nachbeobachtungszeitraum festzustellen. mehr »