Ärzte Zeitung online, 28.04.2009
 

Genauere Bilder vom Gehirn mit neuem Hochleistungsgerät

JÜLICH (dpa). So genau war der Blick ins Gehirn noch nie: Mit einem weltweit neuartigen Hochleistungsgerät wollen Jülicher Forscher Hirnerkrankungen wie Demenz und Alzheimer schon in ganz frühen Phasen erkennen. Das Gerät erfasse gleichzeitig die Gewebestruktur und biochemische Prozesse im Gehirn, teilte das Forschungszentrum Jülich mit.

Durch krankhafte Prozesse verändert sich beides. Die bessere Diagnose bedeute allerdings nicht eine sofortige bessere Therapie. Es könne Jahre dauern, bis auf dieser Grundlage neu entwickelte Therapeutika geprüft würden. Das Gerät wird an diesem Mittwoch (29. April) offiziell übergeben.

Der von Siemens entwickelte Prototyp ist eine Kombination aus Kernspintomograf (MRT) und einem Positronen-Emissionstomografen (PET). Das ist nach Angaben des Jülicher Zentrums weltweit einmalig. Schon der MRT gehört mit der Feldstärke von 9,4 Tesla zu den weltweit vier stärksten Geräten und liefert Bilder vom Hirngewebe. Der Direktor des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin, Professor Jon Shah, erwartet eine Auflösung kleiner als 0,1 Millimeter. Dadurch seien Veränderungen im Hirngewebe schon viel früher erkennbar.

Die PET, ein bildgebendes Verfahren aus der Nuklearmedizin, erfasst simultan krankhafte biochemische Veränderungen. Dazu wird beispielsweise radioaktiv markierter Zucker in die Blutbahn injiziert. Auf dem Bildschirm können Wissenschaftler dann prüfen, ob der Zuckerumsatz im Gehirn wie für Alzheimer typisch abgesenkt ist.

Bei Alzheimer entsteht ein Amyloid als Stoffwechselprodukt, das beim gesunden Menschen nur in sehr geringem Maße vorhanden ist. In einer laufenden Studie markieren die Forscher diesen Stoff mit einem radioaktiven Arzneimittel und machen ihn so auf Bildern sichtbar.

Ein erkrankter Mensch könne 10 bis 15 Jahre ohne Symptome leben, sagte Professor Andreas Bauer. Das Gehirn könne Probleme lange kompensieren. Der Jülicher Prototyp könne bereits diesen Kompensationsmechanismus erfassen. Forscher könnten damit die Krankheit zu einem Zeitpunkt feststellen, wo sie für den Betroffenen noch nicht bemerkbar sei. Die Entwicklung von Alzheimer lässt sich nicht aufhalten, aber durch Medikamente oft verzögern.

Die bessere Diagnose bedeute aber nicht automatisch eine bessere Therapie, sagte Bauer. "Die Therapie hinkt hinterher." Das Gerät könne aber bei der Entwicklung von Medikamenten helfen, etwa durch die Beobachtung der Prozesse im Gehirn nach der Gabe von Medikamenten. Fortschritte erwarten die Forscher auch bei der Grundlagenforschung etwa zu den Themen Sucht oder Kopfschmerz.

Das Hybrid-Gerät besitzt einen 60 Kilogramm schweren Magneten. Für die Abschirmung wurden 870 Tonnen Eisen verbaut. Patienten müssen langsam in die Röhre geschoben werden, den sonst kann ihnen durch das starke Magnetfeld schwindelig werden.

www.fz-juelich.de

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