Ärzte Zeitung, 09.07.2009

Das Gefühl, bei Demenz helfen zu können, ist da

Viele Hausärzte sehen Nachholbedarf bei der Demenz-Versorgung. Zwei Drittel der Patienten erhalten noch keine angemessene Therapie.

Von Jürgen Stoschek

Eine Kollegin berät einen Patienten mit Demenz-Erkrankung.

Foto: Klaro

Die Versorgungssituation von Patienten mit Alzheimer wird von mehr als 80 Prozent der Haus- und Fachärzte als bestenfalls "mittelmäßig" beurteilt. 74 Prozent der Haus- und 81 Prozent der Fachärzte sind daher mit der Versorgung "unzufrieden". Bei einer Online-Befragung von 216 niedergelassenen Ärzten wurden außer den begrenzten Versorgungs- und Therapiemöglichkeiten die allgemein als schlecht empfundene Betreuungs- und Pflegesituation als Gründe für die hohe Unzufriedenheit genannt. Darauf hat der Neurologe Dr. Stefan Ries aus Erbach im Odenwald bei einer Veranstaltung von Eisai und Pfizer in München hingewiesen.

Verschiedene Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen nach Angaben von Dr. Heiner Melchinger vom Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung in Hannover, dass die Verordnungszahlen für Antidementiva zwar steigen. Gleichwohl, so Melchinger, erhielten etwa zwei Drittel der Patienten mit der Diagnose Morbus Alzheimer noch immer keine angemessene Behandlung.

Die Gründe dafür seien mannigfaltig. Aufgrund der vielfältigen Symptome der Erkrankung seien viele Hausärzte sehr zurückhaltend mit der Diagnose, zumal trotz der Leitlinien noch immer etwas Unsicherheit bleibe. Zudem bestehe bei Kollegen eine gewisse Scheu, die Angehörigen mit einer Diagnose zu konfrontieren.

Zu den Gründen für die unzureichende Behandlung von Patienten mit Alzheimer gehörten auch Restzweifel am Nutzen von Antidementiva, sagte Melchinger.

Angesichts der im Einzelfall großen Variationsbreite im allgemeinen Krankheitsverlauf sei oftmals nur schwer erkennbar, welchen Anteil der Einsatz von Antidementiva an der möglichen Verzögerung einer Verschlechterung der Erkrankung hat, erläuterte Melchinger.

In der Befragung stimmten Haus- und Fachärzte der Aussage zu, dass eine medikamentöse Behandlung den Betroffenen eine längere Teilhabe am familiären und gesellschaftlichen Leben ermöglicht, berichtete Ries, der die Befragung geleitet hat. Das Gefühl, den Patienten durch eine medikamentöse Behandlung helfen zu können, werde von den allermeisten Haus- und Fachärzten als eine wichtige Unterstützung in der Kommunikation mit den Angehörigen und im Umgang mit der Erkrankung angesehen, so der Neurologe.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Schmerzloses Impfen per Pflaster

Forscher arbeiten an Impfpflastern, mit denen sich Vakzinen schmerzfrei applizieren lassen, ganz ohne Nadel. Die Pflaster haben viele Vorteile und könnten für höhere Impfraten sorgen. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »

Hier tummeln sich die meisten Hausärzte

Die Arztdichte in einer Region ist relevant für die Entscheidung, wo Allgemeinmediziner sich niederlassen – gerade für junge Ärzte. Unsere Karte des Monats zeigt, wo die Konkurrenz zwischen Hausärzten am größten ist. mehr »